OPEN CALL: konform, Krudebude 9.-17. Juni 2016

Das Ausstellungsprojekt OPEN CALL fordert Kreative auf, sich mittels verschiedener Medien und künstlerischer Techniken zu einem vorgegebenen Thema zu äußern. Passend zur aktuellen Lage in Leipzig, Deutschland und der Welt, lautet das diesjährige Thema „konform“. 30 Arbeiten und Aktionen sind im Foyer und den drei Räumen der krudebude verteilt. Es ist für mich immer wieder beeindruckend, wie sich unterschiedliche Stile und Themen wie selbstverständlich in diese Projektwohnung einfügen.

Weitere Öffnungszeiten: 10./11./12./16.06., jeweils 16 – 18 Uhr; Finissage 17.06. ab 19 Uhr

Fotos: Detlef M. Plaisier, Sandra Gräfenstein (1). Verwendung und Download zu privaten Zwecken kostenfrei gestattet.

Ein Stadtteil sperrt zu: „Zufällig Osten“ inszeniert kollektive Verweigerung (mit UPDATE)

zufallNach dem Katholikentag doch noch eine Portion Zufällig Osten tanken. Natürlich in der krudebude. Doch ich stehe um 19 Uhr vor verschlossener Tür. „ZU / CLOSED“ sagt das Schild, darunter eine Telefonnummer. Ich rufe zuerst Theresa aus der krudebude an. „Alle haben heute zu“, sagt sie mir. Unter der Telefonnummer könne ich mehr erfahren.

Ganze 40 Sekunden dauert die Ansage. Mailboxnachrichten können nicht hinterlassen werden. „Wir inszenieren uns kollektiv als großes Fragezeichen“, heißt es. Um Sensibilisierung soll es gehen, um „Konsumkritik, Solidarität, Verantwortung und nachhaltige Gestaltung der Zukunft„. Wer nimmt an Kulturveranstaltungen teil, wer erfährt überhaupt davon? „Und wie schaffen wir uns nicht selbst ab?

Ein Konglomerat an Fragen, deren Dringlichkeit ich nach fast zehn Jahren im Leipziger Osten gut nachvollziehen kann. Ich habe allerdings Zweifel, ob diese Totalverweigerung zu eben einer nachhaltigen Diskussion beiträgt. Den Finger in die Wunde zu legen, ist nötig und in Ordnung. Wer allerdings selbst keine Lösungsvorschläge macht und die Tür einfach zuschlägt (oder wie hier gar nicht erst aufsperrt), muss Kopfschütteln in Kauf nehmen von genau jenen, die zum Gespräch gebeten werden sollen. Behörden und Vermieter sind so nicht zu sensibilisieren. Die sagen „Na, dann eben nicht“, und alles bleibt beim Alten. Berechtigte Wut oder Verzweiflung ist nicht immer ein guter Ratgeber und tötet Fingerspitzengefühl. Aber vielleicht sehe ich das auch nur so vom Standpunkt der Altersweisheit…

Das Infoband ist unter 0157 5965 9391 weiter geschaltet (Stand Sonntag, 29. Mai, 12:00).

UPDATE 2. Juni 2016
Joe Weisz vom Raum.Weisz hat einen wunderbaren Kommentar geschrieben:

Das „Zufällig Osten 2016“ war in meinen Augen ein voller Erfolg. So wie sich der Stadtteil in den letzten Jahren wandelte, musste sich doch auch die Veranstaltung verändern. Das erste „Zufällig Osten 2013“ startete mit einer Hand voll unterschiedlicher Ladenprojekte, die die Möglichkeiten einer selbstbestimmten Lebensweise präsentierten. Gab es damals noch 51 Zusagen auf Facebook waren es 2015 bereits 2087. Dieses rasante Wachstum führte natürlich zu Problemen und Schwierigkeiten und veränderte natürlich die Ursprungsidee, die damals lautete „Wir wenigen haben alle mal am selben Tag auf, damit wir und das Publikum uns alle gegenseitig besuchen können und sehen, was es so gibt und wofür wir stehen“.

Rückblickend auf die letzten vier Jahre hat sich der Stadtteil definitiv in einer Selbstverständlichkeit gewandelt, die zwar alle kritisch bewerten, aber wo es gegenwärtig an Lösungen mangelt. Dass mitlerweile viele Läden schließen mussten oder repressive Maßnahmen erfahren haben oder die Leitung gewechselt hat, ist unübersehbar. Wenn es so weiter geht werden auf kurz oder lang alle ideellen Läden verschwinden oder sich kommerziell ausrichten müssen, dann wird es aber teurer für alle, was die Kulturlandschaft und damit auch unsere Art zu leben verändern wird.

Als Betreiber eines Ladenprojektes wäre es mir natürlich lieber gewesen bei „Zufällig Osten“ die Ladenfläche offen zu halten, um mit dem Publikum in einen Dialog zu treten. Andererseits muss ich mir eingestehen, dass ich das bereits seit vier Jahren praktiziert habe. Mit dem Nachbarn von nebenan bis hin zum Professor für Stadtentwicklung bin ich in Dialoge getreten und allmählich mag ich nicht mehr dieselben 4-5 stereotypen Standardfragen beantworten. Das haben bereits auch andere getan, die es mittlerweile eben nicht mehr gibt und die mir sehr fehlen. „Zufällig geschlossen“ war für mich daher auch eine Solidarisierung mit den Projekten und ihren Betreibern, die es nicht mehr gibt, egal ob Non-Profit oder kommerziell, wie dem „Kunstraum E“, dem „Zoetrop“ dem „Kohlgarten Cafe und Bildlabor“ und all diejenigen, die nicht genannt werden können.

„Zufällig Osten 2016“ war keine Ansage an „die da Oben“ sondern ein Anstoß an „die da Unten“. Die Freiheit und die Möglichkeiten, die es noch in diesem Stadtteil gibt, sind nicht selbstverständlich. In diesem Sinne hat „Zufällig Osten“ dieses Jahr nicht an Authentizität verloren, sondern dazugewonnen. Ob es die Veranstaltung in Zukunft noch braucht, wird zu klären sein. Aber wenn jemand fordert, dass „die Entwicklung in der Eisenbahnstraße und Umgebung in eigenen Bahnen verläuft (…) und die kleinen Geschäfte oder Läden (…) ihre Konzeption nachhaltig ändern müssen, wenn sie weiter bestehen wollen“ kann ich nur hoffen, dass die Eisenbahnstraße wirklich bald entgleist.

UPDATE 31. Mai 2016
Inzwischen liegen mir auf meinen Bericht erste Reaktionen vor. Eine rundum positive Meinung war bislang nicht darunter. Eine Auswahl:

Martin Holz, Pilotenküche artist residency Spinnereigelände, früher Pilotenküche east am Neustädter Markt: „Verweigerung ist nach Stadtteiljubel eine blinde Aktion. Juhu, die Eisenbahnstraße! Juhu Freiraum! Juhu! Alles Quatsch, es gibt keinen Freiraum, wo Mietraum vereinbart ist oder Besitzer lauern oder Stadtteilplanung. Das sind Illusionen, selber gemacht.“

Jolanta Drywa, International Library Leipzig: „Ob die Strategie im Stadtteil eine richtige ist und inwiefern diese funktioniert, wird sich zeigen. Zufällig Osten verliert an Authenzität und wird nächstes Jahr bestimmt nicht besser besucht. Mittlerweile läuft die Entwicklung in der Eisenbahnstraße und Umgebung in eigenen Bahnen. Hierzu erscheinen auch völlig neue Akteure, und die kleinen Geschäfte oder Läden werden ihre Konzeption nachhaltig ändern müssen, wenn sie weiter bestehen wollen. Doch bedenke das Schrift über Con Han Hop: „There is no buissnes like no buissnes“.

Ariane Jedlitschka, Helden wider Willen / HAL Atelierhaus, Hildegardstraße 49: „Zufällig Osten ist nicht unser Rahmen. Wir haben KULTUR ÖFFNET WELTEN als Rahmen für den Tag gewählt und hatten geöffnet. Unverständlich, dass die Wilde Hilde einfach ins Programm von Zufällig Osten aufgenommen wurde, ohne uns zu fragen oder zu informieren.“

Jubiläums-Katholikentag in Leipzig: „Seht, da ist der Mensch“ – welch wunderbares Motto! (mit Fotostrecke)

KT2016-Webbanner-300x250Dieses Jahr ist alles anders: Keine Bierbörse, kein Könneritzstraßenfest mit Wein bei edelrausch, kein „Zufällig Osten“ auf meinem Kiez und auch kein Finale der Champions League. Gibt es dafür einen guten Grund? Ja, gibt es: Leipzig feiert den 100. Katholikentag. Ich werde in der Takva Moschee essen. Ich werde in der Brodyer Synagoge erfahren, was im Judentum so anders ist. Ich werde an einer biblischen Zooführung teilnehmen. Ich bin gespannt auf ein marokkanisches Königszelt, und ich werde  Berlins Erzbischof Heiner Koch zuhören, wenn er Kindern vorliest. Vor allem freue ich mich auf Gespräche mit Unbekannten, mit Gästen unserer Stadt, mit Gläubigen, Engagierten und Visionären. Über alles werde ich hier berichten. Leipzig wird ein wunderbarer Gastgeber sein!

Ein Blick auf die katholische Diaspora in Ostdeutschland wirft die FAZ hier.
„Ausgerechnet Leipzig“ meint auch domradio.
Und die AfD ist nicht dabei – Klick hier

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Katholikentag 29.5.2016. Foto Sandra GräfensteinPünktlich zum Katholikentag hat mich eine Kehlkopfentzündung erwischt. Da ich am Samstag kommender Woche in Frankfurt im Finale eines Autorenwettbewerbes vortragen will, bleibt nur eins: Schonung – und das heißt: Vom Katholikentag gibt es keine Interviews, sondern nur eine Fotostrecke. Schade – aber ich bin überzeugt, dass ich die Fröhlichkeit und Farbigkeit des Glaubens auch so erleben und vermitteln kann.

Ich möchte dreimal Danke sagen:

Danke an Erzbischof Heiner Koch für die ermutigenden Worte.
Danke an den Tagesimpuls für den Chor der Schmidt-Schule aus Ost-Jerusalem.
Danke an Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz. Dein Weg zum Glauben hat mich bestärkt.

Fotos: Detlef M. Plaisier, Sandra Gräfenstein (1). Download für private Zwecke honorarfrei gestattet. Kommentare sind ausdrücklich erwünscht!

 

Dreimäderlhaus bei den Pinguinen: Sponsoren-Bier zur Taufe im Leipziger Zoo

Vergnügliche Biertaufe von Emma, Marta und Luise: Joachim von Lentzke, Tierpfleger Andrea und Marcel, Prof. Dr. Jörg Hunhold (von links)

Vergnügliche Biertaufe von Emma, Marta und Luise: Joachim von Lentzke, Tierpfleger Andrea und Marcel, Prof. Dr. Jörg Hunhold (von links)

Zu Gerd, Gerda und Otto gesellen sich jetzt Emma, Marta und Luise: Bei strahlendem Himmel wurden im Leipziger Zoo drei Brillenpinguin-Küken getauft. Wobei „Küken“ bei den Pinguinen heisst, dass sie stolze 2.900 Gramm auf die Waage bringen. Und ob es wirklich Mädchen sind, stellt sich erst später heraus. Vielleicht wird aus Marta ja noch ein Martin…

Aus Anlass der Taufe verlängerte die Krostitzer Brauerei die Goldsponsorenschaft für den Zoo Leipzig um weitere drei Jahre. Beide Unternehmen sind seit über 20 Jahren partnerschaftlich miteinander verbunden. Die Urkunde überreichte der Gebietsleiter der Krostitzer Brauerei, Joachim von Lentzke, an Zoodirektor Prof. Dr. Jörg Junhold. „Das ist weit mehr als Papier“, betonte Dr. Ines Zekert, Pressesprecherin in Krostitz. „Das ist eine Herzenssache“.  Als Dankeschön für das weitere Sponsoring revanchierte sich der Zoo Leipzig mit der Verleihung der Ehrenpatenschaft für die drei Pinguine an Ur-Krostitzer.

Dass alle Brillenpinguine im Leipziger Zoo kurze deutsche Namen tragen, hat übrigens einen einfachen Grund: „So ist es einfacher, sie bei der Pflege oder einer Medikamentengabe anzusprechen“, erklärt Pfleger Marcel.

Sehnen nach Liebe: Sophie von Stillfried stellt im Poniatowski aus

Sophie von Stillfried im Poniatowski. Foto Detlef M. Plaisier

Sophie von Stillfried im Poniatowski. Foto Detlef M. Plaisier

Das Poniatowski hat umdekoriert: Für einen Monat stellt die Künstlerin Sophie von Stillfried unter dem Leitmotiv „Hurt“ in der Kreuzstr. 15 ihre Arbeiten aus. Was ihre Werke ausmacht, erläuterte der Leipziger Autor Nils Müller in seiner Laudatio:

„Wir sehen eine Ausstellung, in der das Verborgene nach außen getragen wird und die Protagonisten der Bilder verletzlich erscheinen lässt. Verletzungen werden hier vornehmlich sinnbildhaft, meist durch Tätowierungen ausgedrückt, was ihre seelische Natur vermuten lässt. Die Bilder Sophie von Stillfrieds zeichnet ein sich Sehnen nach Liebe und ein sich Erinnern an Nähe aus, ohne dass sie ausschließlich unser Mitleid erregen. Vielmehr zeugen sie von der emotional verkrüppelten Umwelt, in der der Protagonist des Bildes wohl zu leben hat. Uns bleibt nur zu erahnen, wie die Protagonisten mit ihren Leiden umgehen, wissend, dass nur das Unberührte und Unverletzte neutral bleiben kann. Das große Faszinosum ihrer Bilder ist doch, dass man als Betrachter meint, alles aus ihnen gelesen zu haben und doch eines Besseren belehrt wird.“  

www.potemka.de/artists/svst/sophie_von_stillfried.html

Große Fotostrecke: Langes Leipziger Kunstwochenende mit Tapetenwerkfest 19.0 *** DIN A Kleiner Als *** Frühjahrsrundgang Spinnerei, 29.4.-1.5.2016

Alle Fotos: Detlef M. Plaisier. Wenn ein Künstler namentlich erwähnt werden möchte, bitte bei mir melden. *** If an artist wishes to be mentioned, please send a message.

Tapetenwerkfest 29.4.16. Foto Detlef M. Plaisier (21)

 

 

Die sechs aus dem Wächterhaus: Projektwohnung krudebude ist jetzt ein Verein – Mitstreiter gesucht!

Erst zwei, dann drei, schließlich fünf und jetzt sechs: Das Projektteam der Projektwohnung krudebude hat sich stabilisiert. Vielleicht ist auch diese Zahl nur vorläufig. Alles Mädels. Nicht geplant, es ergab sich so, meint Gründerin Theresa Kroemer. „Wir sind drei kultur- und praxisinteressierte, zugezogene Studentinnen. Wir wollen eine ehemals eher passive Rolle im Kulturgeschehen verlassen und jetzt Dinge anpacken und ausprobieren.“ So klang das noch in den Anfängen. Jetzt sind die Töne selbstbewusster: Die Krudebude ist als gemeinnütziger Verein eingetragen und wirbt um Mitstreiter.

Adresse: Stannebeinplatz 13, Wächterhaus, 1. Stock. Foto: Archiv Detlef M. Plaiser

Helle Fenster in der Krudebude: Stannebeinplatz 13, Wächterhaus, 1. Stock. Foto: Archiv Detlef M. Plaisier

Ich habe auf diesem Blog schon oft und gerne aus der Krudebude berichtet, und sie wird mir fehlen, wenn ich Leipzig verlasse. Besonders schätze ich das Konzept, neben Ausstellung, Lesung und Performance die Bewohner des Stadtteils aktiv einzubeziehen. Nach der erfolgreichen Fotoausstellung mit Einwegkameras im vergangenen Jahr wird es auch 2016 wieder ein partizipatorisches Projekt geben. „Wir wollen uns zeigen und öffnen“, sagt Lucie Chwaszcza. Ansatzpunkte dafür sind unter anderem die Teilnahme am Abtnaundorfer Parkfest im September, das nach der Absage im vergangenen Jahr ungeduldig erwartet wird, und Gespräche mit dem Bürgerverein Schönefeld.

Seit Jahresbeginn ist die Krudebude als gemeinnütziger Verein eingetragen. So erhöht sich der Spielraum für Projektförderungen, gleichzeitig steigt aber auch der Druck: Es stehen viele Projekte auf der Agenda vom Lichtkonzept über Einbau einer Sanitäranlage bis zur Gestaltung der Homepage.

Wer mit handwerklichen Leistungen, Zeit für Ausstellungsbetreuung oder seinem Mitgliedsbeitrag dem Verein helfen möchte, meldet sich per E-Mail unter projektraum.leipzig@gmail.com

Das nächste offene Vereinstreffen in der Krudebude findet am 23. Mai statt.