850 Jahre: Die Leipziger Messen feiern Geschichte und Zukunft – aber wo bleiben 2015 die Bürger?

850 Ballone für 850 Jahre Leipziger Messen. Foto Detlef M. Plaisier

850 Ballone für 850 Jahre Leipziger Messen. Foto Detlef M. Plaisier

„Die Verbundenheit der Leipziger und der Region mit der Messe ist vermutlich weltweit einmalig“. Martin Buhl-Wagner und Markus Geisenberger, Geschäftsführer der Leipziger Messe, macht die Weltoffenheit Leipzigs sichtbar stolz. Beide stellten jetzt die Programm-Höhepunkte 2015 zum Jubiläumsjahr „850 Jahre Leipziger Messen“ vor. Es gibt Bewährtes, Spektakuläres und etwas zu wenig für die hochgelobten Bürger. Die waren als Auftakt der Feierlichkeiten aufgerufen, zusammen mit Mitarbeitern der Messe auf dem Leipziger Markt das weltweit bekannte Doppel-M zu formen: 850 Menschen, 850 weißblaue Ballone mit 300 Kilometern Reichweite, versehen mit Gutscheinen für freien Eintritt. Ein perfektes Bild am vielleicht letzten Tag des Altweibersommers. Viel mehr gibt es für die Leipziger und ihre Gäste denn auch im Jubiläumsjahr nicht mehr zu feiern: Die meisten Events sind Fachbesuchern der Messebranche vorbehalten oder sind kostenpflichtig.

Den Auftakt macht die Messe „Haus-Garten-Freizeit“ vom 7. Februar bis 15. Februar. Dort können Besucher ein riesiges dreidimensionales Doppel-M wie ein Labyrinth begehen. Dazu werden in der Glashalle zwei Fotoausstellungen zu den Themen „Messehäuser“ und „Private Messemomente“ gezeigt. In einer nachempfundenen Markthalle sind die Besucher zum Handeln und Feilschen eingeladen – leider kostenpflichtig.

Höhepunkte der Festwoche Ende Juli/Anfang Juli werden ein Internationales Messeseminar, eine Fachtagung und ein Festempfang sein – nur für Fachpublikum und Ehrengäste.

Am 5. Juli soll es einen „Tag der Messegeschichten“ geben, an dem Bürger „durch unterhaltsame Vorträge“ einen „Einblick in die Historie des Leipziger Messewesens“ erhalten. Stichworte sind Architektur der Messepassagen,  Frauen in Leipzig und Leipziger Judentum. Unklar: Glaubt die Messe, Bürger allein durch Vorträge begeistern zu können?

Spannend wird sicher eine Sonderausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum (lange Laufzeit vom 28. Juli bis 15. November). Hier sollen unter anderem Videoinstallationen und ein „authentischer Sound“ in das Messegeschehen der vergangenen Jahrhunderte führen, und das ganz ungeschminkt, einschließlich der Krisenmomente und der goldenen Messezeiten – leider kostenpflichtig.

Unbelehrbar: Das Leipziger Messemännchen raucht Pfeife. Foto: Archiv Detlef M. Plaisier

Unbelehrbar: Das Leipziger Messemännchen raucht Pfeife. Foto: Archiv Detlef M. Plaisier

Aber jetzt wird gefeiert: Die Leipziger Messe ist Partner des Passagenfestes am 4. September. Wieder werden alle Register der Multimediakunst gezogen, um die Geschichte zu dokumentieren und gleichzeitig in die Messezukunft zu sehen. Bravo, hier kostet lediglich das gastronomische Angebot.

Mich macht es als Wahl-Leipziger stolz, dass die Messe 2013 unter den TOP 30-Messen weltweit rangierte. Schon jetzt freue ich mich auf die nächste Buchmesse und die RoboCup-WM 2016. Ich bin sehr gespannt auf das Jubiläumsbuch „850 Jahre Leipziger Messen“, das schon Ende 2014 vorliegen wird. Wenn aber die Chefetage der Leipziger Messe nicht müde wird zu betonen, man wolle mit dem Jubiläum den Bürgern etwas zurückgeben,  dann ist mir dieses Programm für 2015 einfach zu wenig. Aber vielleicht zaubern die Macher ja noch etwas aus dem Hut…

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