Beitrag und Fotostrecke: Tag des Offenen Ateliers – Besuch bei Christoph Hundhammer im Blockstellwerk Elsteraue

Im dreizehnten Jahr luden Leipziger Kunstschaffende zu einem Blick in ihre Ateliers ein. Mehr als 70 Orte waren geöffnet. Ich besuchte Christoph Hundhammer an einem der ungewöhnlichsten Plätze: Er arbeitet im ehemaligen Blockstellwerk Elsteraue, idyllisch gelegen hinterm Deich zwischen Weißer Elster und Luppe.

Tag des Offenen Ateliers 19 Okt 2014 Hundhammer Stellwerk. Foto Detlef M. Plaisier (51)

Entspannung im Atelier. Foto: Detlef M. Plaisier

Wir haben den wohl letzten schönen Tag des Altweibersommers erwischt, trinken Tee mit frischer Pfefferminze aus dem Naturgarten. Christoph Hundhammer hat das ehemalige Blockstellwerk Elsteraue mit Grundstück vor einem Jahr gekauft. Es wurde 1905 als Industriebau mit Betondecken auf einer Aufschüttung gebaut, wäre also im unwahrscheinlichen Fall eines Hochwassers vor Flutschäden sicher. Zehn Jahre stand das Gebäude leer, fand keinen Interessenten. „Ich habe sogar Aufzeichnungen von der letzten Schicht der Bahnwärter gefunden“, erzählt der Künstler, „noch mit Notfallnummern für den Fall einer Havarie.“ Ich ermutige ihn, diese Zeitdokumente nicht zu vernichten.

Nach dem Erwerb gab es einiges zu tun. Christoph Hundhammer griff selber zur Maurerkelle, ließ auch neue Fenster einbauen. Aktuell werden die Mäuse in einer Holzdecke bekämpft. Die vier Räume des Häuschens haben alle eigene Zugänge. Das ursprünglich geplante Atelier im oberen ehemaligen Bahnwärterbereich hat sich zu einer großen Küche mit Holzofen und Klavier entwickelt. „Hier kommt niemand angelaufen, wenn ich mal am Wochenende spiele“, sagt Christoph Hundhammer und gibt eine kurze Kostprobe. Dennoch bleibt das Stellwerk nur Atelier, kein Wohnraum. „Darüber kann ich nachdenken, sollte mich meine Familie mal verlassen“, schmunzelt Christoph Hundhammer.

Überhaupt sei die Lage an der noch aktiven Bahnstrecke ideal: „Den ICE haben sie gut hingekriegt, den hört man kaum, aber die zweistöckigen Züge scheppern ganz schön“, und das Nordlicht ohne Schlagschatten begünstige die Arbeit. „Dann sitze ich im Winter hier oben bei der Ofenwärme an meinen Holzschnitten, und bei den ersten Frühlingsstrahlen zieht es mich nach draußen.“

Kreatives Hexenhäuschen. Foto Detlef M. Plaisier

Kreatives Hexenhäuschen. Foto Detlef M. Plaisier

Draußen – das ist ein Stück gepachteter Garten mit kleinem Häuschen hinter dem Blockstellwerk, in dem Skulpturen von Christoph Hundhammer und von Teilnehmern an offenen Werkstätten stehen. Sie fügen sich wie selbstverständlich in das wuchernde Grün ein. In Colditz, Naumburg und hinter dem Gartenhaus des Heinrich-Budde-Hauses in Gohlis hat Christoph Hundhammer Skulpturengärten mitgestaltet. Er arbeitet mit Modellen, Männern wie Frauen. Zunächst entsteht eine Zeichnung, aus der sich dann eine Situation oder Position ergibt, die Christoph Hundhammer in Holz umsetzen möchte. Immer neu stellt sich die Frage, inwieweit dabei die Persönlichkeit des Modells berührt wird:“ Manchmal bilde ich die nur die große Form ab, manchmal geht es in kleine Details.“ Dass Christoph Hundhammer auch die filigranen Formen beherrscht, zeigt er mir im Gartenhäuschen an einem Kerzenengel aus Pappmaché.

Im Winter werde ich mit einer Flasche Rotwein zu einem Plausch am Ofen im Blockstellwerk wiederkommen. Dann lasse ich mich von Google Maps nicht noch einmal in die Irre führen.

Alle Fotos: Detlef M. Plaisier. Download und Kommentare sind ausdrücklich erwünscht!

2 thoughts on “Beitrag und Fotostrecke: Tag des Offenen Ateliers – Besuch bei Christoph Hundhammer im Blockstellwerk Elsteraue

  1. „Die Skulptur trifft ein; sie tritt in Erscheinung, zieht die Aufmerksamkeit auf sich und fordert das Auge auf, ihr Rechnung zu tragen und seine Innenwelt entsprechend umzugestalten. Die Skulptur unterscheidet sich von jedem anderen Kunstwerk. Egal ob die Skulptur aus Stein, Metall, Ton, Holz besteht oder aus verschiedenen Materialien montiert ist, sie ist ein sinnliches konkretes Ding, ein Objekt in der Welt – das gesehen, berührt und platziert werden möchte.“ aus: John O’Donohue „Vom Reichtum des Lebens – Die Schönheit erwecken“
    Vielen Dank für diesen Ateliereinblick in Wort und Bild. Vor Jahren bin ich Christoph Hundhammer als Dozent für Darstellendes Spiel begegnet… nun widmet er sich Figuren aus Holz. Sind Skulpturengärten nicht auch „Bühnen“, auf denen jede Gestalt seinen Platz hat und mit anderen, mit dem Raum und mit dem Besucher kommuniziert und Geschichten erzählt. Ich wünsche ihm weiterhin so viel Freude und Erfolg bei seiner Arbeit. Desgleichen für diesen Blogschreiber.

    • Vielen Dank für den Kommentar. Ich freue mich immer, wenn jemand selbst betroffen ist und sich dazu äußert. Nur als Hinweis: Das Blog ist seit September 2016 eingestellt. Ich habe Leipzig verlassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.