Essen ist mehr als satt werden: Lachen und Lernen im Leipziger Kinder Erlebnis Restaurant

Kinder müssen spielen. Kinder brauchen Liebe. Viel Liebe. Und Kinder müssen essen. Aber das ist doch selbstverständlich. Nein, ist es nicht, und schon gar nicht, wenn es um gesundes Essen in einer intakten Familie geht. Das Team im Leipziger Kinder-Erlebnis-Restaurant rund um Initiatorin Karin Fahnert hat sich ein großes Ziel gesetzt: Die Ess-Kultur in Familien mit Kindern soll positiv verändert werden, und das ganz unabhängig von den wirtschaftlichen Verhältnissen.

Kinder Erlebnis RestaurantTräger des Kinderrestaurants ist der Verein „Leipziger Kinder- und Familienförderung e.V.“ Er entstand 2006 aus Personen, die in der Leipziger Tafel aktiv waren, und zog 2007 vom Leipziger Westen in den Osten um. Der Verein kaufte günstig drei Wohnhäuser und richtete in zwei Häusern Wohnprojekte ein, die auch heute noch laufen. „Hier wohnen auf freiwilliger Basis Familien, die in verschiedener Hinsicht benachteiligt sind“, erläutert Karin Fahnert. „Wir betreuen dort nicht im klassischen Sinn, sondern bieten Möglichkeiten zur Teilhabe. Wer mitmachen kann und etwas gibt, der nimmt auch mit einer anderen Würde.“

Vielleicht das bunteste Haus in Leipzig. Foto: Detlef M. Plaisier

Vielleicht das bunteste Haus in Leipzig. Foto: Detlef M. Plaisier

Schon bei der „Tafel“ hatte Karin Fahnert eine „erschreckende Inkompetenz in Ernährungsfragen“ bei vielen Besuchern festgestellt. „Gemeinsames Essen als Mittelpunkt der Familie wird immer seltener, und das zieht sich inzwischen quer durch die Gesellschaft.“ Die Idee, Kindern und Jugendlichen Genuss und gleichzeitig Verantwortung für Körper und Gesundheit „schmackhaft zu machen“, wurde 2012 dann in dem dritten der gekauften Häuser in der Eisenbahnstraße 130 umgesetzt. Der bunt bemalten Fassade, gestaltet durch den Plakatmaler und Ehemann Frank Fahnert, sieht man den hohen Sanierungsbedarf heute nicht mehr an.

Das Konzept, unter anderem gestützt aus Fördermitteln des Programms „Soziale Stadt“, traf den Nerv: Schon nach dem ersten Jahr des Bestehens konnte Karin Fahnert stellvertretend den Familienfreundlichkeitspreis der Stadt Leipzig entgegennehmen. Nur ein halbes Jahr musste das Team um Karin Fahnert selbst um Gäste werben, seitdem laufen die Anfragen von selbst und übersteigen oft die Kapazität. Das Konzept des Wohnprojektes greift auch hier: Die zwei Mitarbeiterinnen wohnen in den beiden Häusern des Vereins. Karin Fahnert: „Wir wollen keine Kochprofis, sondern Erlebnispädagogik mit allen Sinnen und Teilhabe auch hier.“

Aktuell werden bis zu 40 Veranstaltungen im Monat durchgeführt. Neben Erlebniskochen für Kinder und Jugendliche aus Kitas, Schulen und Horten stehen Kindergeburtstage und öffentliche Veranstaltungen auf dem Programm. Die Teilnehmer reisen dafür bis aus Thüringen an. Maximal 40 Personen können gleichzeitig in der Küche stehen. Weil es täglich oft zwei Veranstaltungen gibt, wird auch täglich eingekauft „wie bei einer Hausfrau“; Vorratshaltung gibt es kaum. Als Geheimtipp hat sich die Übernachtungsmöglichkeit im Hause herumgesprochen: In einem XXL-Bett können bis zu 15 Kinder und Jugendliche über Nacht bleiben.

Karin Fahnert ist mit sechs Stunden täglich im Projekt angestellt. Daraus werden regelmäßig 60 Wochenstunden. Was sie immer wieder motiviert? Die Antwort ist entwaffnend einfach: „Es ist eine so dankbare Aufgabe, über die Kinder Impulse in die Familien zu tragen.“

Für Dezember sind als Themen „Plätzchen backen im Advent“ und ein festliches Adventsmenü vorgesehen. Wer reservieren möchte, klickt direkt auf die Seite des Kinderrestaurants.

Alle folgenden Fotos (6): Andreas Bernatschek – Danke!

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