One of my last dates in Leipzig: GLIMPSE *** open studio preview exhibition of the 29th round, PILOTENKÜCHE Spinnerei 12. August 2016

Alle Fotos: Detlef M. Plaisier. Download für private Zwecke und Kommentare willkommen!

OPEN CALL: konform, Krudebude 9.-17. Juni 2016

Das Ausstellungsprojekt OPEN CALL fordert Kreative auf, sich mittels verschiedener Medien und künstlerischer Techniken zu einem vorgegebenen Thema zu äußern. Passend zur aktuellen Lage in Leipzig, Deutschland und der Welt, lautet das diesjährige Thema „konform“. 30 Arbeiten und Aktionen sind im Foyer und den drei Räumen der krudebude verteilt. Es ist für mich immer wieder beeindruckend, wie sich unterschiedliche Stile und Themen wie selbstverständlich in diese Projektwohnung einfügen.

Weitere Öffnungszeiten: 10./11./12./16.06., jeweils 16 – 18 Uhr; Finissage 17.06. ab 19 Uhr

Fotos: Detlef M. Plaisier, Sandra Gräfenstein (1). Verwendung und Download zu privaten Zwecken kostenfrei gestattet.

Ein Stadtteil sperrt zu: „Zufällig Osten“ inszeniert kollektive Verweigerung (mit UPDATE)

zufallNach dem Katholikentag doch noch eine Portion Zufällig Osten tanken. Natürlich in der krudebude. Doch ich stehe um 19 Uhr vor verschlossener Tür. „ZU / CLOSED“ sagt das Schild, darunter eine Telefonnummer. Ich rufe zuerst Theresa aus der krudebude an. „Alle haben heute zu“, sagt sie mir. Unter der Telefonnummer könne ich mehr erfahren.

Ganze 40 Sekunden dauert die Ansage. Mailboxnachrichten können nicht hinterlassen werden. „Wir inszenieren uns kollektiv als großes Fragezeichen“, heißt es. Um Sensibilisierung soll es gehen, um „Konsumkritik, Solidarität, Verantwortung und nachhaltige Gestaltung der Zukunft„. Wer nimmt an Kulturveranstaltungen teil, wer erfährt überhaupt davon? „Und wie schaffen wir uns nicht selbst ab?

Ein Konglomerat an Fragen, deren Dringlichkeit ich nach fast zehn Jahren im Leipziger Osten gut nachvollziehen kann. Ich habe allerdings Zweifel, ob diese Totalverweigerung zu eben einer nachhaltigen Diskussion beiträgt. Den Finger in die Wunde zu legen, ist nötig und in Ordnung. Wer allerdings selbst keine Lösungsvorschläge macht und die Tür einfach zuschlägt (oder wie hier gar nicht erst aufsperrt), muss Kopfschütteln in Kauf nehmen von genau jenen, die zum Gespräch gebeten werden sollen. Behörden und Vermieter sind so nicht zu sensibilisieren. Die sagen „Na, dann eben nicht“, und alles bleibt beim Alten. Berechtigte Wut oder Verzweiflung ist nicht immer ein guter Ratgeber und tötet Fingerspitzengefühl. Aber vielleicht sehe ich das auch nur so vom Standpunkt der Altersweisheit…

Das Infoband ist unter 0157 5965 9391 weiter geschaltet (Stand Sonntag, 29. Mai, 12:00).

UPDATE 2. Juni 2016
Joe Weisz vom Raum.Weisz hat einen wunderbaren Kommentar geschrieben:

Das „Zufällig Osten 2016“ war in meinen Augen ein voller Erfolg. So wie sich der Stadtteil in den letzten Jahren wandelte, musste sich doch auch die Veranstaltung verändern. Das erste „Zufällig Osten 2013“ startete mit einer Hand voll unterschiedlicher Ladenprojekte, die die Möglichkeiten einer selbstbestimmten Lebensweise präsentierten. Gab es damals noch 51 Zusagen auf Facebook waren es 2015 bereits 2087. Dieses rasante Wachstum führte natürlich zu Problemen und Schwierigkeiten und veränderte natürlich die Ursprungsidee, die damals lautete „Wir wenigen haben alle mal am selben Tag auf, damit wir und das Publikum uns alle gegenseitig besuchen können und sehen, was es so gibt und wofür wir stehen“.

Rückblickend auf die letzten vier Jahre hat sich der Stadtteil definitiv in einer Selbstverständlichkeit gewandelt, die zwar alle kritisch bewerten, aber wo es gegenwärtig an Lösungen mangelt. Dass mitlerweile viele Läden schließen mussten oder repressive Maßnahmen erfahren haben oder die Leitung gewechselt hat, ist unübersehbar. Wenn es so weiter geht werden auf kurz oder lang alle ideellen Läden verschwinden oder sich kommerziell ausrichten müssen, dann wird es aber teurer für alle, was die Kulturlandschaft und damit auch unsere Art zu leben verändern wird.

Als Betreiber eines Ladenprojektes wäre es mir natürlich lieber gewesen bei „Zufällig Osten“ die Ladenfläche offen zu halten, um mit dem Publikum in einen Dialog zu treten. Andererseits muss ich mir eingestehen, dass ich das bereits seit vier Jahren praktiziert habe. Mit dem Nachbarn von nebenan bis hin zum Professor für Stadtentwicklung bin ich in Dialoge getreten und allmählich mag ich nicht mehr dieselben 4-5 stereotypen Standardfragen beantworten. Das haben bereits auch andere getan, die es mittlerweile eben nicht mehr gibt und die mir sehr fehlen. „Zufällig geschlossen“ war für mich daher auch eine Solidarisierung mit den Projekten und ihren Betreibern, die es nicht mehr gibt, egal ob Non-Profit oder kommerziell, wie dem „Kunstraum E“, dem „Zoetrop“ dem „Kohlgarten Cafe und Bildlabor“ und all diejenigen, die nicht genannt werden können.

„Zufällig Osten 2016“ war keine Ansage an „die da Oben“ sondern ein Anstoß an „die da Unten“. Die Freiheit und die Möglichkeiten, die es noch in diesem Stadtteil gibt, sind nicht selbstverständlich. In diesem Sinne hat „Zufällig Osten“ dieses Jahr nicht an Authentizität verloren, sondern dazugewonnen. Ob es die Veranstaltung in Zukunft noch braucht, wird zu klären sein. Aber wenn jemand fordert, dass „die Entwicklung in der Eisenbahnstraße und Umgebung in eigenen Bahnen verläuft (…) und die kleinen Geschäfte oder Läden (…) ihre Konzeption nachhaltig ändern müssen, wenn sie weiter bestehen wollen“ kann ich nur hoffen, dass die Eisenbahnstraße wirklich bald entgleist.

UPDATE 31. Mai 2016
Inzwischen liegen mir auf meinen Bericht erste Reaktionen vor. Eine rundum positive Meinung war bislang nicht darunter. Eine Auswahl:

Martin Holz, Pilotenküche artist residency Spinnereigelände, früher Pilotenküche east am Neustädter Markt: „Verweigerung ist nach Stadtteiljubel eine blinde Aktion. Juhu, die Eisenbahnstraße! Juhu Freiraum! Juhu! Alles Quatsch, es gibt keinen Freiraum, wo Mietraum vereinbart ist oder Besitzer lauern oder Stadtteilplanung. Das sind Illusionen, selber gemacht.“

Jolanta Drywa, International Library Leipzig: „Ob die Strategie im Stadtteil eine richtige ist und inwiefern diese funktioniert, wird sich zeigen. Zufällig Osten verliert an Authenzität und wird nächstes Jahr bestimmt nicht besser besucht. Mittlerweile läuft die Entwicklung in der Eisenbahnstraße und Umgebung in eigenen Bahnen. Hierzu erscheinen auch völlig neue Akteure, und die kleinen Geschäfte oder Läden werden ihre Konzeption nachhaltig ändern müssen, wenn sie weiter bestehen wollen. Doch bedenke das Schrift über Con Han Hop: „There is no buissnes like no buissnes“.

Ariane Jedlitschka, Helden wider Willen / HAL Atelierhaus, Hildegardstraße 49: „Zufällig Osten ist nicht unser Rahmen. Wir haben KULTUR ÖFFNET WELTEN als Rahmen für den Tag gewählt und hatten geöffnet. Unverständlich, dass die Wilde Hilde einfach ins Programm von Zufällig Osten aufgenommen wurde, ohne uns zu fragen oder zu informieren.“

Große Fotostrecke: Langes Leipziger Kunstwochenende mit Tapetenwerkfest 19.0 *** DIN A Kleiner Als *** Frühjahrsrundgang Spinnerei, 29.4.-1.5.2016

Alle Fotos: Detlef M. Plaisier. Wenn ein Künstler namentlich erwähnt werden möchte, bitte bei mir melden. *** If an artist wishes to be mentioned, please send a message.

Tapetenwerkfest 29.4.16. Foto Detlef M. Plaisier (21)

 

 

Die sechs aus dem Wächterhaus: Projektwohnung krudebude ist jetzt ein Verein – Mitstreiter gesucht!

Erst zwei, dann drei, schließlich fünf und jetzt sechs: Das Projektteam der Projektwohnung krudebude hat sich stabilisiert. Vielleicht ist auch diese Zahl nur vorläufig. Alles Mädels. Nicht geplant, es ergab sich so, meint Gründerin Theresa Kroemer. „Wir sind drei kultur- und praxisinteressierte, zugezogene Studentinnen. Wir wollen eine ehemals eher passive Rolle im Kulturgeschehen verlassen und jetzt Dinge anpacken und ausprobieren.“ So klang das noch in den Anfängen. Jetzt sind die Töne selbstbewusster: Die Krudebude ist als gemeinnütziger Verein eingetragen und wirbt um Mitstreiter.

Adresse: Stannebeinplatz 13, Wächterhaus, 1. Stock. Foto: Archiv Detlef M. Plaiser

Helle Fenster in der Krudebude: Stannebeinplatz 13, Wächterhaus, 1. Stock. Foto: Archiv Detlef M. Plaisier

Ich habe auf diesem Blog schon oft und gerne aus der Krudebude berichtet, und sie wird mir fehlen, wenn ich Leipzig verlasse. Besonders schätze ich das Konzept, neben Ausstellung, Lesung und Performance die Bewohner des Stadtteils aktiv einzubeziehen. Nach der erfolgreichen Fotoausstellung mit Einwegkameras im vergangenen Jahr wird es auch 2016 wieder ein partizipatorisches Projekt geben. „Wir wollen uns zeigen und öffnen“, sagt Lucie Chwaszcza. Ansatzpunkte dafür sind unter anderem die Teilnahme am Abtnaundorfer Parkfest im September, das nach der Absage im vergangenen Jahr ungeduldig erwartet wird, und Gespräche mit dem Bürgerverein Schönefeld.

Seit Jahresbeginn ist die Krudebude als gemeinnütziger Verein eingetragen. So erhöht sich der Spielraum für Projektförderungen, gleichzeitig steigt aber auch der Druck: Es stehen viele Projekte auf der Agenda vom Lichtkonzept über Einbau einer Sanitäranlage bis zur Gestaltung der Homepage.

Wer mit handwerklichen Leistungen, Zeit für Ausstellungsbetreuung oder seinem Mitgliedsbeitrag dem Verein helfen möchte, meldet sich per E-Mail unter projektraum.leipzig@gmail.com

Das nächste offene Vereinstreffen in der Krudebude findet am 23. Mai statt.

Noch bis 29. April: Ausstellung „kehrtwenden : weitergehen“ in der Maschinenhalle, Täubchenweg 20

gegenwart ev„Das ist schon eine unglaubliche Entwicklung“. Als Mitglied des siebenköpfigen kuratorischen Kernteams des Leipziger Kunstvereins Gegenwart e.V. blickt Philipp Köhler auf die Entwicklung seit der Gründung im Jahr 2012 zurück. Innerhalb der vier Jahre hat sich ein Generationenwechsel vollzogen, die Perspektive der Kunstgeschichte wurde durch kunstpädagogische Aspekte der Kunstvermittlung verstärkt.

Der Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten liegt weiter im Leipziger Osten. „Wir wollen aktiv den Stadtteil gestalten und uns in bestehende Netzwerke integrieren“, so Philipp Köhler. Sichtbar wird dies insbesondere durch eine größere Gruppenausstellung in wechselnden Räumen alljährlich im Frühjahr, begleitet durch ein Symposium.  Diese Kombination steht  unter einer übergreifenden Fragestellung, die aus künstlerischer und wissenschaftlicher Perspektive beleuchtet wird. Dazu kommen weitere Aktivitäten im öffentlichen Raum, wie etwa der Audio-Video-Walk durch den Leipziger Osten im Dezember 2015.

Kehrtwenden, Ausstellung im Maschinenhaus Täubchenweg 20, 7. April 2016 (105)Aktuell nutzt der Kunstverein Gegenwart die ehemalige Maschinenhalle im Täubchenweg 20. Unter dem Leitmotiv „kehrtwenden : weitergehen“ setzen sich acht Künstler mit dem Phänomen des Scheiterns auseinander und zeigen mögliche Lösungen auf, wie Enttäuschung und Misserfolg produktiv genutzt werden können.  Nach fast zwei Monaten Ausschreibung lagen rund 70 Bewerbungen vor.  Ist das ein Indiz für fehlende Ausstellungsmöglichkeiten? „Viele Künstler blenden den Raum bei der Bewerbung aus“, meint Philipp Köhler, „andere lassen sich wiederum durch den Raum inspirieren. Die 700 qm große Maschinenhalle im Täubchenweg steht im Eigentum einer Projektentwicklungsgesellschaft aus dem Leipziger Raum. Wie man da rankommt? Philipp Köhler hat eine klare Strategie: „ Mögliche Objekte ablaufen, dann informieren und überzeugend frech sein.“

Innerhalb des Vereins hatte es Diskussionen gegeben, ob man überhaupt einen so großen Raum bespielen wolle. „Schließlich sind wir dann nicht irgendwo zu Gast, sondern stehen für alles selber gerade.“ Große Fensterflächen und geringe Wandflächen lassen bestimmte künstlerische Konzepte von vornherein nicht zu. „Einiges haben wir erst beim Aufbau realisiert. Durch teilweise feuchte Wände wellten sich Texte auf Transparentpapier“, schildert Philipp Köhler. Die größte Installation, bei der ein kleiner Raketenantrieb gezündet wird, konnte aus Brandschutzgründen nicht in Betrieb genommen werden. „Wir hoffen auf die Premiere bei der Finissage“.

Ausstellungszeitraum: 8.-29. April 2016
Öffnungszeiten: jeweils Donnerstag bis Sonntag, 15-20 Uhr (Führungen jeden Sonntag 16 Uhr)
Finissage: 29. April, 19:00 mit Künstlergespräch und Überraschungen

kunstverein-gegenwart.com

Alle Fotos von der Vernissage: Detlef M. Plaisier. Teilen und Verbreitung ausdrücklich erwünscht!

Blickfeld Schönefeld: Fotoausstellung von Einwohnern in der Krudebude

Krudebude Fotoausstellung Schönefeld Okt 2015. Foto Detlef M. Plaisier

Foto: Detlef M. Plaisier

Die Projektwohnung krudebude will sich stärker im Stadtteil verankern. Was ist da geeigneter als ein Projekt unter Mitwirkung der Einwohner. Die Idee ist nicht neu, aber ein patentes Beispiel für Partizipation.

Am 12. August verteilte das Team der Krudebude im Gebiet Schönefeld, Abtnaundorf und Schönefeld-Ost insgesamt 20 Einwegkameras, erworben für je fünf Euro bei einem Drogeriemarkt. Darin enthalten war eine fotografische Aufgabe aus dem Stadtteil, zum Beispiel die Dokumentation des Alltages, des eigenen Wohnumfeldes oder eines besonders skurrilen Ortes im Viertel. Acht Kameras wurden zurückgegeben. Bemerkenswert: Fast nur ältere Einwohner gaben die Kameras zurück. „Bei den Jüngeren gab es schon bei der Verteilung Verständnisprobleme“, erzählt mir Theresa vom Krudebude-Team. „Die kennen halt keine analoge Fotografie mehr und denken, die Kamera ist kaputt, wenn es kein Bild auf dem Display gibt.“ Dies sei aber, so meint Theresa, kein Schönefelder Problem, sondern wohl eher ein Symptom der Generationen.

Grafik: © Patrick Vollrath *** http://patrickvollrath.de/

Grafik: © Patrick Vollrath ***
http://patrickvollrath.de/

Vor der Ausstellung stand ein intensiver technischer Prozeß, „in dem wir viel gelernt haben.“ Von jedem Film wurde eine Aufnahme als Großformat ausgewählt. Weitere Präsentationsformen sind Postkarten, Magnete und Großformate in Lichtboxen. Eine Diaprojektion auf einem altersschwachen Gerät sowie zwei Audioaufnahmen runden das Paket ab. Hörenswert: Taxifahrer „Kalle“ erzählt von seinen Touren durch Schönefeld seit den 1980er Jahren. „Ich liebe das Grün“, hatte er auf seinem Begleitbogen zu den Fotos geschrieben. Ja, es gibt es viel Grün auf den Fotos, auch Balkone, Vorratsschränke und Straßenszenen. Ausreißer: Die Nachtaufnahme eines Werbeplakates für einen Saunaclub. Das ist nicht immer fotografisch und ästhetisch anspruchsvoll, doch es zeigt wie beabsichtigt einen unverfälschten Ausschnitt des Schönefelder Alltags.

Nach Abschluss in der Krudebude soll die Ausstellung noch auf Wanderschaft im Quartier gehen. Vorschläge für Ausstellungsorte nimmt das Team der Krudebude gern entgegen.

Weitere Öffnungstage: 15., 16. und 23. Oktober, jeweils von 19 bis 21 Uhr. Finissage am 24. Oktober ab 19 Uhr mit Musik von Ickar Flyer. Wer die Geschichte des Projektes noch einmal nachlesen möchte, klickt auf den Projektblog bei tumblr.

Alle Fotos der Eröffnung von Detlef M. Plaisier. Teilen, Download und Kommentare sind ausdrücklich erwünscht!