Jubiläums-Katholikentag in Leipzig: „Seht, da ist der Mensch“ – welch wunderbares Motto! (mit Fotostrecke)

KT2016-Webbanner-300x250Dieses Jahr ist alles anders: Keine Bierbörse, kein Könneritzstraßenfest mit Wein bei edelrausch, kein „Zufällig Osten“ auf meinem Kiez und auch kein Finale der Champions League. Gibt es dafür einen guten Grund? Ja, gibt es: Leipzig feiert den 100. Katholikentag. Ich werde in der Takva Moschee essen. Ich werde in der Brodyer Synagoge erfahren, was im Judentum so anders ist. Ich werde an einer biblischen Zooführung teilnehmen. Ich bin gespannt auf ein marokkanisches Königszelt, und ich werde  Berlins Erzbischof Heiner Koch zuhören, wenn er Kindern vorliest. Vor allem freue ich mich auf Gespräche mit Unbekannten, mit Gästen unserer Stadt, mit Gläubigen, Engagierten und Visionären. Über alles werde ich hier berichten. Leipzig wird ein wunderbarer Gastgeber sein!

Ein Blick auf die katholische Diaspora in Ostdeutschland wirft die FAZ hier.
„Ausgerechnet Leipzig“ meint auch domradio.
Und die AfD ist nicht dabei – Klick hier

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Katholikentag 29.5.2016. Foto Sandra GräfensteinPünktlich zum Katholikentag hat mich eine Kehlkopfentzündung erwischt. Da ich am Samstag kommender Woche in Frankfurt im Finale eines Autorenwettbewerbes vortragen will, bleibt nur eins: Schonung – und das heißt: Vom Katholikentag gibt es keine Interviews, sondern nur eine Fotostrecke. Schade – aber ich bin überzeugt, dass ich die Fröhlichkeit und Farbigkeit des Glaubens auch so erleben und vermitteln kann.

Ich möchte dreimal Danke sagen:

Danke an Erzbischof Heiner Koch für die ermutigenden Worte.
Danke an den Tagesimpuls für den Chor der Schmidt-Schule aus Ost-Jerusalem.
Danke an Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz. Dein Weg zum Glauben hat mich bestärkt.

Fotos: Detlef M. Plaisier, Sandra Gräfenstein (1). Download für private Zwecke honorarfrei gestattet. Kommentare sind ausdrücklich erwünscht!

 

Dreimäderlhaus bei den Pinguinen: Sponsoren-Bier zur Taufe im Leipziger Zoo

Vergnügliche Biertaufe von Emma, Marta und Luise: Joachim von Lentzke, Tierpfleger Andrea und Marcel, Prof. Dr. Jörg Hunhold (von links)

Vergnügliche Biertaufe von Emma, Marta und Luise: Joachim von Lentzke, Tierpfleger Andrea und Marcel, Prof. Dr. Jörg Hunhold (von links)

Zu Gerd, Gerda und Otto gesellen sich jetzt Emma, Marta und Luise: Bei strahlendem Himmel wurden im Leipziger Zoo drei Brillenpinguin-Küken getauft. Wobei „Küken“ bei den Pinguinen heisst, dass sie stolze 2.900 Gramm auf die Waage bringen. Und ob es wirklich Mädchen sind, stellt sich erst später heraus. Vielleicht wird aus Marta ja noch ein Martin…

Aus Anlass der Taufe verlängerte die Krostitzer Brauerei die Goldsponsorenschaft für den Zoo Leipzig um weitere drei Jahre. Beide Unternehmen sind seit über 20 Jahren partnerschaftlich miteinander verbunden. Die Urkunde überreichte der Gebietsleiter der Krostitzer Brauerei, Joachim von Lentzke, an Zoodirektor Prof. Dr. Jörg Junhold. „Das ist weit mehr als Papier“, betonte Dr. Ines Zekert, Pressesprecherin in Krostitz. „Das ist eine Herzenssache“.  Als Dankeschön für das weitere Sponsoring revanchierte sich der Zoo Leipzig mit der Verleihung der Ehrenpatenschaft für die drei Pinguine an Ur-Krostitzer.

Dass alle Brillenpinguine im Leipziger Zoo kurze deutsche Namen tragen, hat übrigens einen einfachen Grund: „So ist es einfacher, sie bei der Pflege oder einer Medikamentengabe anzusprechen“, erklärt Pfleger Marcel.

Fotostrecke: Saisoneröffnung 2016 ANNALINDE, 3. April 2016

Der ANNALINDE Gemeinschaftsgarten geht in seine sechste Saison und feierte bei Kaiserwetter die Eröffnung 2016. Besonderen Dank an Daniel „Juri“ Jurisch und Björn & Lisa vom Zentrum für Fermentation für die leckere Verpflegung, die viel zu schnell verputzt war.

Alle Fotos: Detlef M. Plaisier. Teilen und Kommentieren sind ausdrücklich erwünscht!

Zwei Präsidenten kommen zum Volk: Polizei und Handwerk klären auf vor Ort

Unterzeichnung der Sicherheitspartnerschaft im August 2015. Foto Detlef M. Plaisier

Unterzeichnung der Sicherheitspartnerschaft im August 2015. Ganz links IHK-Präsident Wolfgang Topf. Foto: Detlef M. Plaisier

Wenn Polizeipräsident Bernd Merbitz ins Reden kommt, haben es andere schwer. Und das ist durchaus positiv gemeint: Sein vermeintlich lockerer Plauderton ist mit fundierten Informationen unterfüttert. Die transportiert er bei Bedarf auch direkt vor Ort, wie jetzt bei Informationsbesuchen gemeinsam mit Handwerkspräsident Claus Gröhn bei Leipziger Betrieben. Die Besichtigungen sind Teil der vertraglich vereinbarten Sicherheitspartnerschaft zwischen Polizei und Kammern vom August dieses Jahres. Ich habe beide Präsidenten einen Vormittag in Leipzig begleitet.

Thomas Perduß führt seine Feinbäckerei mit Hauptgeschäft und drei Filialen in der vierten Generation zusammen mit Ehefrau Antje. Probleme gibt es zuhauf: Die Parkplätze für Lieferanten sind rar, die Bewohner des Neubaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite könnten sich durch den frühen Lieferverkehr gestört fühlen. Schon jetzt bleiben die Fenster zum Hof nach Beschwerden über Lärm und Geruchsbelästigung ständig geschlossen. Dazu kamen mehrere Einbrüche im Hauptgeschäft und in Filialen, sogar nachts während der Backzeit. „Ein persönliches Trauma“, zeigt Claus Gröhn Verständnis.  Die Kammer gewähre Mini-Darlehen für Sicherheitstechnik. „Auch für die Sicherung von Wohnungen, die mit Geschäftsräumen verbunden sind, gibt es Zuschüsse“, ergänzt Bernd Merbitz und verspricht, sich zu informieren. Im übrigen, so Merbitz, solle jeder Einbruch, auch wenn kein Schaden entstanden sei, zeitnah angezeigt werden: „Wir nutzen die Auswertung von Videoaufnahmen als Ermittlungsansatz, und das über Jahre hinweg“, betont der Polizeipräsident. Claus Gröhn stellt für Unternehmer eine Erleichterung in Aussicht: Er will sich als Serviceangebot um einen Vergleich von Versicherungsprämien und einen folgenden Versicherungspool bemühen.

Im Gespräch: Friseurmeisterin Steffi Ulbricht, Claus Gröhn, Bernd Merbitz (v.l.). Foto Detlef M. Plaisier

Im Gespräch: Friseurmeisterin Steffi Ulbricht mit Claus Gröhn und Bernd Merbitz (v.l.). Foto: Detlef M. Plaisier

Friseurmeisterin Steffi Ulbricht beklagte über zehn Jahre hinweg mehrere Einbrüche in ihrem „Beauty Point“, zuletzt im Jahr 2013. „Vermutlich Beschaffungskriminalität“, meint sie und wirkt resigniert: Der Bewegungsmelder mit Warnhinweis war erfolglos geblieben. Glücklicherweise gab es keinen Vandalismus. Die Baugenossenschaft Leipzig zeigte sich als Vermieter großzügig und rüstete Fenster und Türen nach. „Ich schließe jetzt die Einnahmen häufiger weg“, hat Steffi Ulbricht als Konsequenz gezogen. Polizeipräsident Merbitz stimmt zu: „Es ist auch unsere Aufgabe, Unternehmern ihre Sorglosigkeit auszutreiben.“ Auch hier rät Merbitz zum Einsatz von  Videotechnik. Wie schon Feinbäcker Perduß, wünscht sich Steffi Ulbricht mehr persönliche Nähe: „Ich möchte meinen Ansprechpartner bei der Polizei kennen, wenn mal was passiert.“ Das sichere auch einen möglichen Nachfolger ab, den Steffi Ulbricht verstärkt sucht.

In einer ersten Bilanz werteten Merbitz und Gröhn die Sicherheitspartnerschaft als Erfolg. Die Sprechzeiten in den beteiligten Kammern seien ausgebucht, es bestehe hoher Beratungsbedarf besonders in Detailfragen zur Sicherung der Geschäftsausstattung gegen Einbruch. „Unsere Besuche vor Ort sind keine Pflichttermine“, sagt mir Bernd Merbitz. „Ich will aufklären und persönlich Vertrauen aufbauen.“ Sein Plan scheint aufzugehen.

Bemerkenswerte Website: Kindereuthanasie in Leipzig

Ab sofort ist eine neue Internetseite zu Kindereuthanasie-Verbrechen in Leipzig online. Sie wurde von der Stadt Leipzig und dem Sächsischen Psychiatriemuseum gestaltet. Die Seite ist unter www.die-wiese-zittergras.de zu erreichen. Dort können zahlreiche weitere Schicksale in Leipzig getöteter Kinder nachgelesen werden. Außerdem werden Materialien und Dokumente zur Verfügung gestellt.

Die fortgesetzte Beschäftigung mit diesem Thema obliegt nun dem Sächsischen Psychiatriemuseum des Psychiatriebetroffenenvereins Durchblick e.V. in Leipzig. Das Museum betreut zukünftig die Internetseite und ist Ansprechpartner für Interessenten. Mit der Freischaltung der Website übergibt die Stadt Leipzig zugleich die Forschungsergebnisse, das sind historische Dokumente und andere Materialien, sowie eine Wanderausstellung zum Thema an das Sächsische Psychiatriemuseum.

Seit mehr als 15 Jahren bemüht sich die Stadt Leipzig um die Aufarbeitung der Kindereuthanasie-Verbrechen in Leipzig. Initiator dieses Vorhabens ist das Gesundheitsamt. Anlass für die aktuelle Freischaltung der Website – die mit Unterstützung des Landesprogrammes „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ und der LEIPZIGSTIFTUNG entstand – ist der 75. Jahrestag der Eröffnung der Kinderfachabteilung in der Heilanstalt Leipzig-Dösen im Oktober 1940. Die Homepage erinnert an die Hintergründe der nationalsozialistischen Verbrechen an behinderten Kindern. Allein in Leipzig-Dösen waren in dieser speziellen Abteilung mehr als 500 als lebensunwert angesehene Kinder getötet worden.

Die digitale Zukunft erleben: #digitalrepublic kommt am 6. November nach Leipzig – mit Verlosung!

Herzlichen Glückwunsch an Fanny Schmidt! Zugegeben, Ihr Lieblings-Gadget E-Book-Reader ist nicht gerade der letzte Schrei, aber für Vielleser und Vielreisende unheimlich hilfreich. Fanny kommt aus Hamburg und macht bis Ende des Jahres ein Praktikum bei der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM) mit einem beneidenswerten Blick aus dem Uniriesen über die Stadt. Morgen bekommt sie ihren Gewinn, die innovative Sengled Pulse Solo, von mir überreicht.

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Verlosung am Ende des Textes!

digitalrepublic_1Für zwei Wochen wird Leipzig Deutschlands Hauptstadt im Digital Lifestyle: mobilcom-debitel eröffnet unter dem Namen #digitalrepublic am 6. November 2015 in der Grimmaischen Straße 9-11 (im Reichshof, gegenüber der Galeria Kaufhof) einen Lifestyle-Store. Bis zum 21. November können alle, vom Einsteiger bis zum Profi Digital Nerd, hier die digitale Welt der Zukunft erleben.

Mal eben von unterwegs per Tablet das Wohnzimmer vorwärmen, die Pflanzen bewässern und dem Nachwuchs neue Lernaufgaben übermitteln: Der Umgang mit digitalen Medien, der „Digital Lifestyle“, ist in den letzten Jahren in allen Generationen immer selbstverständlicher geworden. Das greift die #digitalrepublic auf: Die Palette reicht von 3D Food-Druckern über Smart-Home-Lösungen bis hin zu total abgefahrenen Gadgets. In chilliger Lounge-Atmosphäre gibt es spezielle Gamer-Ecken mit Virtual-Reality-Headsets und einen Drohnenparcours, auf dem sich die Flugobjekte per Smartphone steuern lassen. Und das Beste: Es geht in der #digitalrepublic allein ums Ausprobieren und Spaß. Käuflich erwerben kann man vor Ort nichts.

Copyright Richard Ohme - Danke!

Copyright Richard Ohme – Danke!

Ein Höhepunkt der #digitalrepublic in Leipzig wird der Start-up Contest „the Ramp“ sein. Jungunternehmer können hier mit ihrem Konzept ein Preisgeld von insgesamt  10.000 € abräumen. Der Gewinner wird in mehreren Battles durch den Beifall des Publikums gekürt. Zum Gewinn gibt’s zusätzlich ein Sack voll nützlicher Kontakte. Termine: 7.11., 12.11., 14.11. und 19.11. Das Finale steigt am 21.11. Die Ideen der Leipziger Kombattanten können vorab auf www.digitalrepublic.de nachgelesen werden.

app1Zur Eröffnung verlose ich einmal eine Sengled Pulse Solo, die weltweit erste Kombination aus LED-Licht und Multikanal-Stereo-Sound (Wert 60 Euro). Damit kannst du ohne Zusatzsoftware per Bluetooth Musik streamen und über eine kostenlose App stufenlos Licht und Lautstärke regeln.  Nicht nur für Digital Nerds ein absolutes Highlight!

Hinterlasse einfach unter diesem Beitrag einen Kommentar und sag mir bis zum Sonntag, 8. November 2015, 18 Uhr: Was ist dein Lieblingsgadget im Digital Lifestyle?

Viel Erfolg – wir sehen uns im Store der #digitalrepublic! Geöffnet ist Montag bis Samstag jeweils von 12:00 bis 20:00 Uhr.

[Danke an #digitalrepublic für den Verlosungsgewinn. Notwendiger Hinweis: Der Rechtsweg ist ausgeschlossen]

www.digitalrepublic.de

Teuflisch gut: Friedrich Schorlemmer beim Reformationsfest Wittenberg

DSC04444„Luther und der Teufel“ war als Vortragsthema angekündigt. Da kannst du was lernen, dachte ich, und vielleicht wird’s ja auch amüsant. Der Schorlemmer ist ja  immer ganz unterhaltsam. Ich bin ihm von allen Zuhörern am nächsten. Schorlemmer fixiert mich, und ich halte stand. Drei Sekunden? Fünf? Zehn? Ich denke an „Die Augen des Herrn sind an jedem Orte, schauen aus auf Böse und auf Gute“ (Sprüche 15,3).

Was hat Luther mir, dem Glaubenden, der die Nähe zur evangelischen Kirche verloren hat, der die Riten, Gewänder und Gerüche der katholischen Kirche mag, sich aber nicht endgültig binden mag, heute noch zu sagen?

DSCN0507Du bist, so wie du bist, ein Angenommener. Lebe ich danach? Oder zweifle ich daran, ob mich andere so akzeptieren, wie ich bin? Strebe ich vielleicht sogar danach, mich so zu verändern, wie ich glaube, dass andere mich gern sähen?

Ich muss etwas leisten, um anerkannt zu werden. Was passiert mit mir, wenn ich nichts mehr leisten kann? Bleibe ich dann unbeachtet, außerhalb der Gesellschaft, außerhalb von Freundschaften? Und was macht diese Aussicht mit mir? Ich lerne zwei Grundempfindungen des Menschen kennen: Zweifel und Angst.

Fröhlichkeit kommt von innen. Und das geht am besten, wenn ich aus der Seele heraus singen kann. „Legen Sie Brahms auf“, rät Schorlemmer. „Das erhebt die Seele und vereint alles, was den Menschen ausmacht.“ Der Protestantismus lebt, so meint Schorlemmer, nicht von Luther, vielmehr von Luthers Liebe zur Musik. Und so wie die Musik, so müsse auch das Märchenerzählen wiederbelebt werden, „und zwar mit eigener Stimme.“ Er spricht mir aus der Seele. Dass im Oktober 2016 eine revidierte Lutherbibel erscheinen wird, „die wieder mehr Luther enthält“, erfreut Schorlemmer. Neben Goethe sei Luther „das größte Genie der deutschen Sprache.“

Nehmt die Fremden bei euch auf. „Niemand von uns kann sich Gleichgültigkeit leisten. Keiner sollte auftretende Integrationsprobleme leugnen. Jeder sollte daran mitwirken, dass unsere Kultur vielfältiger wird, aber wir auf unsere eigene Kultur nicht verzichten wollen und brauchen. Der sich verbreitende Fremdenfuror jedenfalls ist keine Lösung und wo erst einmal Abfackeln von Wohnhäusern hingenommen wird, werden noch ganz andere Brände entstehen. Toleranz hat auch etwas mit Tragen, mit Ertragen, aber vor allem mit Kennen, Verstehen und Anerkennen zu tun.“ (zitiert nach: „Biedermänner werden zu Brandstiftern“, Schorlemmer-Text vom 1. September 2015). „Wer Flüchtlinge Invasoren nennt und die Regierung Diktatoren, von denen möchte ich nicht regiert werden.“

Nach einer Stunde bin ich bewegt, betroffen, fühle mich ertappt. Eine Stunde Schorlemmer ersetzt fünf Stunden Psychologen.

Fotos Schorlemmer: Sandra Gräfenstein (1), Detlef M. Plaisier (1)

Alle anderen Fotos vom Reformationsfest: Detlef M. Plaisier

 

Wohlfühlort Südvorstadt: Fotograf Robert Strehler belebt die Alte Fleischerei

Quelle: http://portfolio.fotocommunity.de/strehler/photo/31402272„Ich mag Fotos und ich mach auch gerne welche“. Punkt. So schnörkellos beschreibt Robert Strehler seine Leidenschaft. Schuld ist die Liebe, nein, genauer gesagt, die Stadt der Liebe. Vor fünfzehn Jahren spendierte Großvater Strehler dem Enkel eine analoge Kamera mit sieben Filmen für eine Exkursion nach Frankreich. Der entdeckte den Reiz der Bilder, verpulverte sein Ferientaschengeld für weitere 15 Filme und schaffte sich bald aus Kostengründen die erste digitale Kamera an, „so einen Alukasten, eine Canon PowerShot S30“. 2003 stand dann das erste Foto im Netz, ein Zufallsschuss vom Balaton, als ein Volleyball die Sonne verdunkelte. Erst vor drei Jahren stupste eine Freundin Robert Strehler an, er solle doch mehr aus seinem Auge für Situationen und Motive machen. So wandelten sich Stillleben und Landschaften zu einer intensiven Beschäftigung mit Menschen, aus dem Eventmanager wurde der Fotograf.

Robert Strehler bei der Arbeit. Foto: Detlef M. Plaisier

Beim Shooting. Foto: Detlef M. Plaisier

„Ich bin in allem, was ich tue, ein Bauchmensch.“ Robert Strehler arbeitet mit Canon EOS 5D Mark III, Ihagee EXA 1C (mit Lichtschachtsucher) und Canon EOS 60D, bevorzugt mit Festbrennweiten, und ist überzeugter Mac-User. In Buchantiquariaten sollte man ihn nicht lange allein lassen. Bei Close up-Portraits und Hochzeitsfotografie stehen für den (jetzt) Profifotografen nicht die Technikwerte im Vordergrund , sondern das Gefühl bestimmt das Bild – was nicht ausschließt, dass Ergebnisse am Rechner nachbearbeitet werden. „Wir müssen uns beide öffnen. Wenn ich meine Ausstrahlung auf die Menschen projiziere, entstehen ehrliche Fotos.“ Was sich jüngst wieder bewies, als Robert Strehler eine Charity Fotoaktion ins Leben rief und der unerwartete Erfolg fast sein Studio lahmlegte. Und schon reden wir über die nächste Leidenschaft: Leipzig.

Blick an die Decke der Alten Fleischerei. Foto: Detlef M. Plaisier

Blick an die Decke der Alten Fleischerei. Foto: Detlef M. Plaisier

Was ich in Europa und der Welt mag, gibt’s in Leipzig.“ Vor dem Bahnhof, Karli oder Karl-Heine-Boulevard? Energie wie in New York. Dresden? Sorry. Kleinstadt. „Man hat in Leipzig nie das Gefühl, allein zu sein.“ Seit wenigen Tagen hat sich Robert Strehler in der Kurt-Eisner-Straße 17 den Wunsch nach einem Wohlfühlort erfüllt. Zusammen mit der Schmuckdesignerin Alexandra Pauly (Alternativberuf nach meinem Besuch: Muffinbäckerin) verleiht der Fotograf den Räumen der Alten Fleischerei neues Leben. Nach drei Generationen Fleischertradition ab 1906 brachte die Wende das Aus, eine spätere Zwischennutzung scheiterte. Original erhaltene Fliesen und Deckenmalerei im Gründerzeithaus von 1898 – das ist  „arbeitsam, inspirativ, mit Zeit zum Philosophieren. Der Raum bündelt alles, was Leipzig schön macht. Und er passt zu mir.“

Alex und Robert wissen: Es ist ein Experiment. Zwei Kreative auf 20 Quadratmeter Fläche – da kann es schon mal knallen. Aber die Zeichen stehen gut. „Bezaubernd“ sei seine Partnerin, sagt der Hutmann mit Kamera. Genau wie seine Freundin. Und freut sich auf den nächsten Tag.

www.robertstrehler.de
unterwegs-gesehen.de
www.facebook.com/kurteisnerstrasse17
Quelle Portrait Robert Strehler: http://portfolio.fotocommunity.de/strehler/photo/31402272

Mehr Sicherheit? Leipzigs Polizei kooperiert mit IHK und Handwerkskammer

Nach einer Stunde wurde es Wolfgang Topf dann doch zu ruhig. Der Präsident der IHK zu Leipzig, der noch im Januar die Politik der Stadt als „wirtschaftsfeindlich“ und die Stadtoberen als „selbstgefällig“ eingestuft hatte, wurde deutlich: „Die Kammern müssen Druck auf die Politik und direkt auf die Abgeordneten ausüben, damit die Polizei ausreichend mit Haushaltsmitteln für ihre Aufgaben ausgestattet wird. Schon jetzt ist klar, dass die sächsische Polizeireform 2020 ihr Ziel verfehlt.“ Die Polizei, so Topf weiter, müsse zunehmend auch andere Aufgaben der Daseinsvorsorge wahrnehmen, so etwa bei Fussballspielen, Demonstrationen und dem „Schutz von Asylantenheimen“. Da gebe es „Erscheinungen in der Bürgerschaft, die so nicht sein können.“ Wer wirtschaftliche Freiheit wolle, so Topf, müsse auch die Sicherheitsbehörden angemessen ausrüsten. Grenzkontrollen an der Autobahn A4 hätten gezeigt, „welches Potential an Straftätern täglich in diesen Raum hereinfließt.“ Bis zu diesem Statement war die Vorstellung der drei Präsidenten Bernd Merbitz (Polizei), Claus Gröhn (Handwerkskammer) und Wolfgang Topf rund um die frisch unterzeichnete Sicherheitspartnerschaft eher dahingeplätschert.

Drei Präsidenten (von links: Topf, Merbitz, Gröhn). Foto: Detlef M. Plaisier

Drei Präsidenten (von links: Topf, Merbitz, Gröhn). Foto: Detlef M. Plaisier

Die Troika versichert sich der gegenseitigen Wertschätzung und schreibt in einem gemeinsamen Papier Fakten und Ziele fest mit der ernsthaften Hoffnung auf eine Verbesserung der Sicherheitslage in Leipzig. Einmütiger Tenor: Wirtschaft braucht Sicherheit als Fundament, und so kann es in Leipzig nicht weitergehen. Ein Anstieg der Diebstahlsdelikte in der Stadt Leipzig um 43,8 Prozent (Vergleichszeitraum 2010 bis 2014) auf jetzt fast 41.000 Fälle spricht eine deutliche Sprache. Jetzt soll ein ganzes Maßnahmenbündel Abhilfe schaffen, das „Prävention und Repression vereint“ (Merbitz). Darin unter anderem enthalten:

  • regelmäßige Sicherheitsforen
  • Vor-Ort-Beratungen bei Unternehmen und ab September jeden 2. Dienstag abwechselnd in den beteiligten Kammern
  • zentrale Bearbeitung, Auswertung und Kartierung der Einbruchs- und Diebstahlsdelikte (Merbitz: „großer Erkenntnisgewinn“)
  • Einbau zusätzlicher Sicherheitstechnik sowie Codierung von Werkzeugen und Maschinen zur Nachverfolgung bei Diebstahl

Zusätzlich sollen Bürgerpolizisten verstärkt mit Unternehmen ins Gespräch kommen. „Eine sichtbare Präsenz in der Nähe von Unternehmen und in Industriegebieten ist die beste Prävention“, meint Bernd Merbitz. Den Einwand, auf der Eisenbahnstraße habe dies nicht den angestrebten Erfolg erzielt, will Merbitz nicht gelten lassen. Da werde „laufend nachgesteuert“, wie jetzt die Besetzung des Polizeipostens rund um die Uhr zeige. Er selbst wolle sich persönlich verstärkt in Unternehmen über deren Sorgen und Anforderungen informieren.

Bereits 2010 hatte es eine „Sicherheitspartnerschaft“ zwischen Polizei und den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) gegeben, damals noch unter Beteiligung von Polizeipräsident Horst Wawrzynski. Eine erste Bilanz der aktuellen Vereinbarung wollen die Beteiligten Ende 2015 ziehen. Wie zurückhaltend die Initiatoren die Erfolgsaussichten sehen, verdeutlichte Bernd Merbitz in einem unbeachteten Nebensatz: „Irgendwann endet auch die Quadratur des Kreises für die Polizei.“

Nachtrag: In der Nacht nach Unterzeichnung der Sicherheitspartnerschaft wurde vor dem Polizeiposten in der Eisenbahnstraße ein Einsatzfahrzeug in Brand gesetzt. Es entstand ein Sachschaden von 30.000 Euro. Sechs Verdächtige konnten vorläufig festgenommen werden.

Nachgefragt beim Neustädter Frühstück: Wer ist diese Stadt?

Wer ist diese Stadt? – das Kunstfest Neustadt 2015 stellt nicht nur Künstlern eine Aufgabe. Es will mit Antworten und Anregungen das Quartier und die Stadt insgesamt fortentwickeln. Wer also ist diese Stadt? Ich habe in der Gluthitze des Neustädter Frühstücks nachgefragt, ohne Vorgaben, ohne Bedenkzeit, überfallartig.

plakat homepage FrühstückHenry Hufenreuter, Erster Vorsitzender Bürgerverein Neustädter Markt e.V.: Es gibt einige Leute, die glauben, sie seien die Stadt. Die sitzen in sieben Amtszimmern im Neuen Rathaus. Aber in Wirklichkeit sind wir alle die Stadt, bunt und gemischt, und das ist gut so. Ich wünschte mir eine größere Akzeptanz, dass auch die anderen die Stadt sind. [Nachgefragt: Wünscht du dir auch mehr Beteiligung?] Ach … Als ich 18 war, habe ich noch an direkte Demokratie geglaubt. Jetzt bin ich über 50 und weiß, das dies nur in einem bestimmten Maße geht. Ich bin überzeugt: Würden wir mehr direkte Demokratie anbieten, beteiligten sich nach vier Abstimmungen dann auch nicht mehr Bürger daran als an regulären Wahlen. Die „großen Sieben“ sollten öfter mal die heiligen Hallen verlassen. Dann verstünden sie mehr, was vorgeht. Andererseits: Auch die „kleinen Leute“ sind nicht immer sonderlich demokratisch. Ich kann doch nicht Steine schmeißen oder die Stadt in Brand setzen, weil es andere Meinungen gibt. Alle müssen sich darum bemühen, dass sie diese Stadt bleiben. Wenn du mit 30 Nationen auf nicht mal einem Quadratkilometer 20 Jahre lang zusammenwohnst, dann lernst du, dass eben nicht alle Menschen Brüder sind und dass es harte Arbeit und Disziplin ist, halbwegs zivilisiert nebeneinander zu leben.

Robert Baier. Foto Detlef M. Plaisier

Robert Baier. Foto: Detlef M. Plaisier

Robert Baier, Versicherungsmakler und caba-cafe, Eisenbahnstraße 147: Es sollte besser heißen „Was ist die Stadt?“. Diese Stadt wird geprägt von den Menschen, auch denen, die sich heute hier zusammenfinden unter dem Thema Gründerzeit.

Gerd Eiltzer, freier Fotograf: Ich freue mich über die Atmosphäre hier wie jedes Jahr.  Hier treffen sich nicht irgendwelche anonymen Völker, hier treffen sich Menschen. Toll!

Arud, „Radsfatz“ Fahrradselbsthilfe, Eisenbahnstraße 113 (Hinterhof Japanisches Haus): Wir alle sind die Stadt. Alle. Ohne Einschränkungen. Das reicht.

Die Mädels vom Coworking Space am Neustädter Markt (Vladi unten). Foto: Detlef M. Plaisier

Kat (oben) und Vladi vom Coworking Space am Neustädter Markt. Foto: Detlef M. Plaisier

Vladi, sekretär coworking, Neustädter Markt 4: Das ist eine Stadt, in die man sich verlieben kann. Ich habe mich in den Osten verliebt wegen seiner vielfältigen Strukturen. Ich liebe es, durch die Straßen zu gehen. Aber steht der Osten für die ganze Stadt?

René Helm, Pflegedienstleiter „Haus im Rosengarten“, Eisenbahnstraße 18 A-B: (überlegt lange) Der Leipziger Osten entwickelt sich prima. Die Menschen sehen positiv in die Zukunft. [Nachgefragt: Und die Gentrifizierung?] Empfinde ich nicht. Leipzig sollte noch viel offener werden. Und auch Senioren haben es gut in Leipzig. Bei uns leben viele ältere Menschen, die früher im Viertel zu Hause waren und jetzt im Alter zurückkommen. Das ist deren besonderer Ausdruck von Heimatgefühl.

Eröffnung Neustädter Markt (Stefan Kausch)

Heiß: Stefan Kausch bei der Eröffnung des Kunstfestes am Neustädter Markt. Foto: Detlef M. Plaisier

Stefan Kausch, Pöge-Haus, Kurator des Kunstfestes Neustadt: Ich habe diese Frage den Menschen gestellt, die hier wohnen. Einige sagten Du, andere Wir, wiederum andere die Gebäude. Genau diese Vielfalt der Stadtgesellschaft will das Kunstfest abbilden. Wer ist diese Stadt? ist auch eine kritische Frage. Man kann schnelle Antworten darauf geben, aber wir möchten gern alle abholen, die von dieser Frage betroffen sind. Das durchaus berechtigte Marketing der Stadt Leipzig macht uns auch Bauchgrummeln. Wir fragen: Muss man das Jubiläum wirklich so aufplustern? Die Stadt Leipzig betreibt aktive Erinnerungspolitik. Lobenswert. Aber ist diese suggerierte Kontinuitätslinie von 1000 Jahren Leipzig wirklich vorhanden? Ich möchte daran erinnern: Neustadt-Neuschönefeld, der Ort dieses Kunstfestes, ist der ärmste Stadtteil Leipzigs mit einem Durchschnittseinkommen von gerade mal 800 Euro netto pro Person. Wir haben hier den größten Migrationsanteil in Sachsen von über 20 Prozent, also fast westdeutsche Normalität. Wer genau hinschaut, sieht neben den Bürgerlichen auch die Arbeiterinnen und Arbeiter des Stadtteils. Diese Strukturen funktionieren, und es ist an uns, das deutlich zu machen. Genau das macht einen kritischen Kurator wie mich aus: Lasst uns zuhören und Potentiale erkennen. Lasst uns auch politische Fragen stellen. Ich habe dazu Künstler mit ins Boot geholt, die sich durch sozialen und politischen Spirit auszeichnen.

Franz Sodann. Foto: Detlef M. Plaisier

Franz Sodann. Foto: Detlef M. Plaisier

MdL Franz Sodann (DIE LINKE): Meine Frau stammt aus den alten Bundesländern. Als sie mich fragte, wo sie denn studieren könne, sagte ich ihr: Sieh dir mal Leipzig an. Das ist eine Stadt, die sagt dir Guten Tag und wird dir gefallen. Ich lebte damals in Bremen. Sie fuhr hin, entschied sich für Leipzig – und schwupps hatte ich eine Fernbeziehung. Leipzig ist seine vielfältige Kultur. Leipzig ist eine Stadt, in der alles möglich ist und in der ich alles habe. Wenn ich abends los gehe, kann ich das zu Fuß tun oder mit dem Fahrrad. Leipzig ist Liebe.