Die sechs aus dem Wächterhaus: Projektwohnung krudebude ist jetzt ein Verein – Mitstreiter gesucht!

Erst zwei, dann drei, schließlich fünf und jetzt sechs: Das Projektteam der Projektwohnung krudebude hat sich stabilisiert. Vielleicht ist auch diese Zahl nur vorläufig. Alles Mädels. Nicht geplant, es ergab sich so, meint Gründerin Theresa Kroemer. „Wir sind drei kultur- und praxisinteressierte, zugezogene Studentinnen. Wir wollen eine ehemals eher passive Rolle im Kulturgeschehen verlassen und jetzt Dinge anpacken und ausprobieren.“ So klang das noch in den Anfängen. Jetzt sind die Töne selbstbewusster: Die Krudebude ist als gemeinnütziger Verein eingetragen und wirbt um Mitstreiter.

Adresse: Stannebeinplatz 13, Wächterhaus, 1. Stock. Foto: Archiv Detlef M. Plaiser

Helle Fenster in der Krudebude: Stannebeinplatz 13, Wächterhaus, 1. Stock. Foto: Archiv Detlef M. Plaisier

Ich habe auf diesem Blog schon oft und gerne aus der Krudebude berichtet, und sie wird mir fehlen, wenn ich Leipzig verlasse. Besonders schätze ich das Konzept, neben Ausstellung, Lesung und Performance die Bewohner des Stadtteils aktiv einzubeziehen. Nach der erfolgreichen Fotoausstellung mit Einwegkameras im vergangenen Jahr wird es auch 2016 wieder ein partizipatorisches Projekt geben. „Wir wollen uns zeigen und öffnen“, sagt Lucie Chwaszcza. Ansatzpunkte dafür sind unter anderem die Teilnahme am Abtnaundorfer Parkfest im September, das nach der Absage im vergangenen Jahr ungeduldig erwartet wird, und Gespräche mit dem Bürgerverein Schönefeld.

Seit Jahresbeginn ist die Krudebude als gemeinnütziger Verein eingetragen. So erhöht sich der Spielraum für Projektförderungen, gleichzeitig steigt aber auch der Druck: Es stehen viele Projekte auf der Agenda vom Lichtkonzept über Einbau einer Sanitäranlage bis zur Gestaltung der Homepage.

Wer mit handwerklichen Leistungen, Zeit für Ausstellungsbetreuung oder seinem Mitgliedsbeitrag dem Verein helfen möchte, meldet sich per E-Mail unter projektraum.leipzig@gmail.com

Das nächste offene Vereinstreffen in der Krudebude findet am 23. Mai statt.

Noch bis 29. April: Ausstellung „kehrtwenden : weitergehen“ in der Maschinenhalle, Täubchenweg 20

gegenwart ev„Das ist schon eine unglaubliche Entwicklung“. Als Mitglied des siebenköpfigen kuratorischen Kernteams des Leipziger Kunstvereins Gegenwart e.V. blickt Philipp Köhler auf die Entwicklung seit der Gründung im Jahr 2012 zurück. Innerhalb der vier Jahre hat sich ein Generationenwechsel vollzogen, die Perspektive der Kunstgeschichte wurde durch kunstpädagogische Aspekte der Kunstvermittlung verstärkt.

Der Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten liegt weiter im Leipziger Osten. „Wir wollen aktiv den Stadtteil gestalten und uns in bestehende Netzwerke integrieren“, so Philipp Köhler. Sichtbar wird dies insbesondere durch eine größere Gruppenausstellung in wechselnden Räumen alljährlich im Frühjahr, begleitet durch ein Symposium.  Diese Kombination steht  unter einer übergreifenden Fragestellung, die aus künstlerischer und wissenschaftlicher Perspektive beleuchtet wird. Dazu kommen weitere Aktivitäten im öffentlichen Raum, wie etwa der Audio-Video-Walk durch den Leipziger Osten im Dezember 2015.

Kehrtwenden, Ausstellung im Maschinenhaus Täubchenweg 20, 7. April 2016 (105)Aktuell nutzt der Kunstverein Gegenwart die ehemalige Maschinenhalle im Täubchenweg 20. Unter dem Leitmotiv „kehrtwenden : weitergehen“ setzen sich acht Künstler mit dem Phänomen des Scheiterns auseinander und zeigen mögliche Lösungen auf, wie Enttäuschung und Misserfolg produktiv genutzt werden können.  Nach fast zwei Monaten Ausschreibung lagen rund 70 Bewerbungen vor.  Ist das ein Indiz für fehlende Ausstellungsmöglichkeiten? „Viele Künstler blenden den Raum bei der Bewerbung aus“, meint Philipp Köhler, „andere lassen sich wiederum durch den Raum inspirieren. Die 700 qm große Maschinenhalle im Täubchenweg steht im Eigentum einer Projektentwicklungsgesellschaft aus dem Leipziger Raum. Wie man da rankommt? Philipp Köhler hat eine klare Strategie: „ Mögliche Objekte ablaufen, dann informieren und überzeugend frech sein.“

Innerhalb des Vereins hatte es Diskussionen gegeben, ob man überhaupt einen so großen Raum bespielen wolle. „Schließlich sind wir dann nicht irgendwo zu Gast, sondern stehen für alles selber gerade.“ Große Fensterflächen und geringe Wandflächen lassen bestimmte künstlerische Konzepte von vornherein nicht zu. „Einiges haben wir erst beim Aufbau realisiert. Durch teilweise feuchte Wände wellten sich Texte auf Transparentpapier“, schildert Philipp Köhler. Die größte Installation, bei der ein kleiner Raketenantrieb gezündet wird, konnte aus Brandschutzgründen nicht in Betrieb genommen werden. „Wir hoffen auf die Premiere bei der Finissage“.

Ausstellungszeitraum: 8.-29. April 2016
Öffnungszeiten: jeweils Donnerstag bis Sonntag, 15-20 Uhr (Führungen jeden Sonntag 16 Uhr)
Finissage: 29. April, 19:00 mit Künstlergespräch und Überraschungen

kunstverein-gegenwart.com

Alle Fotos von der Vernissage: Detlef M. Plaisier. Teilen und Verbreitung ausdrücklich erwünscht!

Fotostrecke: Saisoneröffnung 2016 ANNALINDE, 3. April 2016

Der ANNALINDE Gemeinschaftsgarten geht in seine sechste Saison und feierte bei Kaiserwetter die Eröffnung 2016. Besonderen Dank an Daniel „Juri“ Jurisch und Björn & Lisa vom Zentrum für Fermentation für die leckere Verpflegung, die viel zu schnell verputzt war.

Alle Fotos: Detlef M. Plaisier. Teilen und Kommentieren sind ausdrücklich erwünscht!

Bilanz und mein letzter politischer Kommentar: Silvester in Connewitz

Mit einer Allgemeinverfügung auf Grundlage des sächsischen Versammlungsgesetzes hat die Stadt Leipzig alle Aufzüge und veröffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel in einem weiten Gebiet rund um das Connewitzer Kreuz untersagt. Grund sind, so eine Pressemitteilung der Stadt, die „unangezeigten“ Versammlungen der Vorjahre und deren Verlauf sowie die Lageeinschätzung der Polizeibehörden. Darüber hinaus wird auf zurückligende „organisierte Gewalt“ gegen die Polizei und staatliche Institutionen verwiesen. Das Verbot gilt vom 31. Dezember, 23 Uhr bis Freitag, 6 Uhr.

Das Netz reagiert prompt. Grundrechte würden außer Kraft gesetzt. Es entstehe der Eindruck, dass der Staat vor allen Dingen bereit sei, gegen vermeintlich linke Strukturen vorzugehen. Die „Law and Order Elite“ schicke sich an, zum Totengräber des Rechtsstaates zu werden. Auf der Seite linksunten.indymedia.org heißt es: Da Connewitz morgen mal wieder Gefahrengebiet ist, könnte mensch auch auf die Idee kommen am Südplatz (Südvorstadt) zu feiern. Am 12.12. zur Weinachtsfeier war`s da auch sehr nett ;-)“ (Fehler aus dem Original übernommen)

Ich habe lange im Netz gesucht. Ich habe keine deutliche Distanzierung von möglicher Gewaltbereitschaft gefunden, was besonders angesichts der kriminellen Zerstörungswut rund um die Karli am 12. Dezember bitter nötig wäre. So kann davon ausgegangen werden, dass die „Feiern“ am Kreuz dieses Jahr im Vergleich zu den Vorjahren noch weiter eskalieren. Warum sollten die kriminellen Elemente nicht auch diese Möglichkeit nutzen, ihren ungezügelten Hass auf den Staat zu manifestieren?

Ich habe angesichts dieser Prognose Verständnis dafür, die „Feiern“ zu untersagen. Dass ich im Netz für dieses Bekenntnis von einigen Menschen entfreundet wurde, unter anderem von Thomas „Kuno“ Kumbernuß (DIE PARTEI), bestätigt nur meine kritische Bilanz des fast abgelaufenen Jahres:

Ich habe mich, auch journalistisch, vor Karren spannen lassen, die nicht meine waren. Ich habe in der Konstellation dieser Stadt nichts mehr zu gewinnen. Und so gehe ich bald auf zu neuen Ufern, freue mich darauf und werde aus den Leipziger Fehlern lernen.

Mein Freund Heiko Arndt hat sein Jahr treffend zusammengefasst, wie es auch meins sein könnte:

Das Jahr 2015 war ein sehr bewegendes und aufregendes Jahr für mich. Ich lernte viele liebe neue Menschen kennen und habe mich von falschen Freunden verabschiedet.

Mach’s gut, Leipzig, du Schöne. Und achte auf deine Töchter und Söhne.

Silvester-Böller: Johanniter bitten um Rücksicht auf traumatisierte Flüchtlingskinder

Mit Rücksicht auf traumatisierte Flüchtlingskinder appellieren die sächsischen Johanniter daran, in der unmittelbaren Umgebung von Flüchtlingsunterkünften auf allzu laute Silvester-Böller zu verzichten. „Natürlich geht es nicht darum, den Spaß am traditionellen Silvester-Feuerwerk zu verleiden“, sagt dazu Dietmar Link, Mitglied im sächsischen Landesvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe. Mit Blick auf die vielen Kinder, die von Krieg und Gewalt schwer traumatisiert sind, sollte ein rücksichtsvoller Umgang in der unmittelbaren Umgebung von Einrichtungen aber selbstverständlich sein.

Quelle: http://wortblende.wordpress.com / Foto: Harald Stein

Quelle: wortblende.wordpress.com / Foto: Harald Stein

Damit es beim Umgang mit Feuerwerk nicht zu schweren Verletzungen kommt, geben die Johanniter Tipps für einen sicheren Start ins neue Jahr. So werden Augenverletzungen oft durch einen zu geringen Sicherheitsabstand verursacht. Peter Appelt, Ausbildungsleiter der sächsischen Johanniter, rät: „Wenn kleinere Fremdkörper ins Auge geraten, kann man versuchen, diese mit Wasser heraus zu spülen. Größere Fremdkörper sollten aber keineswegs durch Laien entfernt werden. Stattdessen muss die verletzte Person sofort in eine Notaufnahme oder Rettungsstelle gebracht oder der Rettungsdienst alarmiert werden!“ Als erste Maßnahme vor Ort sollte das betroffene Auge mit einer keimfreien Wundauflage bedeckt und dann beide Augen vorsichtig mit einem Tuch verbunden werden. Appelt weiter: „Nur durch das Verbinden beider Augen wird eine Ruhigstellung des verletzten Auges und damit eine Schmerzlinderung erreicht.“

Auch die Ohren sind bei der Silvesterknallerei gefährdet. Die beste Vorbeugung bietet ein angemessener Sicherheitsabstand. Johanniter-Profi Peter Appelt warnt: „Silvesterböller erreichen eine Lautstärke von bis zu 175 Dezibel. Das ist lauter als ein Presslufthammer! Der hohe Schalldruck kann ein Knalltrauma auslösen und zu einer Schädigung des Innenohrs führen. Die Folge ist Schwerhörigkeit in den ersten Stunden oder Tagen. Schlimmstenfalls bleibt das Gehör ein Leben lang geschädigt.“

Zu den häufigsten Verletzungen zu Silvester zählen Verbrennungen und andere Verletzungen an den Händen, die teilweise bis zum Verlust von Fingern führen. Diese werden meist verursacht durch zu frühe Explosionen oder weil Feuerwerkskörper mit bereits brennender Lunte zu lange in der Hand gehalten werden – leider eine gerade bei Jugendlichen beliebte Mutprobe. Appelt rät daher: „Brandwunden sollten allenfalls kurz mit Leitungswasser – auf keinen Fall mit Eis oder Schnee – gekühlt werden. Puder oder Salben gehören ebenfalls nicht auf offene Wunden. Bei schwereren Verletzungen sofort unter der Rufnummer 112 den Rettungsdienst alarmieren!“

Damit es gar nicht erst zu einem Unfall kommt, hier die wichtigsten Tipps für eine sichere Silvesterknallerei:

•  Nur geprüftes Feuerwerk kaufen (siehe Hinweis der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung BAM auf der Verpackung)
•  Vor dem Zünden die Gebrauchsanweisung lesen
•  Feuerwerk nur im Freien abbrennen, nie in geschlossenen Räumen
•  Feuerwerkskörper nie länger als nötig in der Hand halten
•  Nach dem Anzünden den vorgegebenen Sicherheitsabstand einhalten
•  Niemals auf Menschen, Tiere, Gebäude oder Fahrzeuge zielen
•  Kinder nie alleine mit Feuerwerk hantieren lassen
•  Kleinere Kinder auch beim Zünden von Knallerbsen o.ä. beaufsichtigen
•  Nie versuchen, Feuerwerkskörper, die beim ersten Versuch nicht gezündet haben,  ein zweites Mal anzuzünden – die Gefahr, dass es dabei in der Hand zu einer Explosion kommt, ist sehr hoch!
•  Keine Blindgänger aufsammeln, sie können immer noch explodieren