One of my last dates in Leipzig: GLIMPSE *** open studio preview exhibition of the 29th round, PILOTENKÜCHE Spinnerei 12. August 2016

Alle Fotos: Detlef M. Plaisier. Download für private Zwecke und Kommentare willkommen!

Sehnen nach Liebe: Sophie von Stillfried stellt im Poniatowski aus

Sophie von Stillfried im Poniatowski. Foto Detlef M. Plaisier

Sophie von Stillfried im Poniatowski. Foto Detlef M. Plaisier

Das Poniatowski hat umdekoriert: Für einen Monat stellt die Künstlerin Sophie von Stillfried unter dem Leitmotiv „Hurt“ in der Kreuzstr. 15 ihre Arbeiten aus. Was ihre Werke ausmacht, erläuterte der Leipziger Autor Nils Müller in seiner Laudatio:

„Wir sehen eine Ausstellung, in der das Verborgene nach außen getragen wird und die Protagonisten der Bilder verletzlich erscheinen lässt. Verletzungen werden hier vornehmlich sinnbildhaft, meist durch Tätowierungen ausgedrückt, was ihre seelische Natur vermuten lässt. Die Bilder Sophie von Stillfrieds zeichnet ein sich Sehnen nach Liebe und ein sich Erinnern an Nähe aus, ohne dass sie ausschließlich unser Mitleid erregen. Vielmehr zeugen sie von der emotional verkrüppelten Umwelt, in der der Protagonist des Bildes wohl zu leben hat. Uns bleibt nur zu erahnen, wie die Protagonisten mit ihren Leiden umgehen, wissend, dass nur das Unberührte und Unverletzte neutral bleiben kann. Das große Faszinosum ihrer Bilder ist doch, dass man als Betrachter meint, alles aus ihnen gelesen zu haben und doch eines Besseren belehrt wird.“  

www.potemka.de/artists/svst/sophie_von_stillfried.html

„Open Mic“ im Poniatowski: The birth of an evening star

„Open Mic“ ist ein Wagnis. Jeder kann sich ungeschützt produzieren. Das reicht dann vom Star bis zur Blamage. Dass es auch ein runder Abend werden kann, zeigten die „Leipzig Writers“ im Poniatowski.

Jolanta und Jan im Duett auf der Poniatowski-Bühne. Foto Detlef M. Plaisier

Jolanta und Jan im Duett auf der Poniatowski-Bühne. Foto Detlef M. Plaisier

Nils Müller mit einem selbstgemalten Bild für das Poniatowski. Foto Detlef m. Plaisier

Nils Müller mit einem selbstgemalten Bild für das Poniatowski. Foto Detlef M. Plaisier

Svetlana, Präsidentin der Leipzig Writers, eröffnete den Abend mit nachdenklichen Worten. Auf den Tag genau vor 15 Jahren hatte sie ihre Heimat Ukraine verlassen. Bei ihrem Vortrag aus Werken ihres Lieblingsschriftstellers aus dem umkämpften Lugansk gefror so manchem der Beifall angesichts der aktuellen Bilder. Die Mitglieder der „Leipzig Writers“ mögen es mir verzeihen, dass ich nicht jeden Beitrag würdigen kann. Auch ich musste mich erst einmal in die Poesie der englischen Muttersprachler hineinhören. Aber kleine Stars gibt es bei jedem „Open Mic“. Wer so verdammt verrucht die eigenen Gedichte vorträgt wie Jolanta und dann noch im Cover-Duett mit Jan Kohnert von Schrödingers Katze mit einer facettenreichen Bühnenstimme überrascht, hat die Krone des Evening Stars redlich verdient. Ein Wiedersehen gab es mit Nils Müller, der in der Vorwoche sein Buchdebut im Poniatowski vorgestellt hatte. Er hat mit Unterstützung einer Sektkellerei aus Freyburg an Selbstbewusstsein gewonnen und liess bei seinem Gedicht über unbeantwortete Liebe sogar Entertainerqualitäten aufblitzen.

Das „Open Mic“ der Leipzig Writers hatte mehr Zuhörer verdient. Doch an manchen Tagen hat Leipzig outdoor ein Überangebot, so diesmal das Georg-Schwarz-Straßenfest und gleich um die Ecke den Frühjahrsrundgang der Spinnerei. But Open Mic will return to Poniatowski. So stay tuned and foolish!

Das Lied vom vergänglichen Leben: Debutlesung von Nils Müller im Poniatowski

Nils Müller liest im Poniatowski. Foto Detlef M. Plaisier

Nils Müller liest im Poniatowski. Foto Detlef M. Plaisier

Er ist zwei Stunden vor der Zeit im Poniatowski, begrüßt seine Freunde  und ist unsagbar aufgeregt. Ist doch unnötig, wenn man in seinem zweiten Wohnzimmer aus seinem ersten Buch liest. In der Leipziger Literaturszene ist Nils Müller ein unbeschriebenes Blatt. Sein Erstling „Ein Lied vom Leben“ liegt jetzt als schmales Bändchen bei epubli vor.

Wer ist Nils Müller? Ein bisschen schüchtern, ein bisschen Diva, und ganz sicher nicht Mainstream: Er setzt selber Sauerkraut an, ist verzückt von blühenden Engelstrompeten und hasst es, wenn im September der erste Lebkuchen verkauft wird. Lieblinge? Die Katzenberger, die Knef und Queen Mum. Und Rotkäppchen. Viel davon.

„Ich will einen Stein in den Fluß des Tabus werfen.“ Das Tabu ist der Tod. Die Arbeit als Friedhofsgärtner und das Engagement der Mutter in der Palliativpflege haben Nils Müller zur Auseinandersetzung mit dem Sterben angeregt. Doch er setzt sich selber Grenzen: „Der Vorgang des Sterbens, das letzte Aushauchen ist zu intim. Da sind wir doch alle mit uns allein.“ So bleiben die literarischen Sequenzen ohne direkte Schilderung , aber doch eindringlich. Was Nils Müller schreibt, ist (noch) nicht bis ins Letzte sprachgewaltig und gezirkelt. Er ist jedoch einer, der genau hinsieht und Stimmungen erspürt. So gelingt es ihm, beim Zuhörer Bilder von Landschaften und Menschen zu erzeugen, die bleiben. Dies sollte Ermutigung sein, bei kommenden Lesungen mehr von sich preiszugeben als die gerade mal 30 Minuten beim Debut im Poniatowski.