Die digitale Zukunft erleben: #digitalrepublic kommt am 6. November nach Leipzig – mit Verlosung!

Herzlichen Glückwunsch an Fanny Schmidt! Zugegeben, Ihr Lieblings-Gadget E-Book-Reader ist nicht gerade der letzte Schrei, aber für Vielleser und Vielreisende unheimlich hilfreich. Fanny kommt aus Hamburg und macht bis Ende des Jahres ein Praktikum bei der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM) mit einem beneidenswerten Blick aus dem Uniriesen über die Stadt. Morgen bekommt sie ihren Gewinn, die innovative Sengled Pulse Solo, von mir überreicht.

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Verlosung am Ende des Textes!

digitalrepublic_1Für zwei Wochen wird Leipzig Deutschlands Hauptstadt im Digital Lifestyle: mobilcom-debitel eröffnet unter dem Namen #digitalrepublic am 6. November 2015 in der Grimmaischen Straße 9-11 (im Reichshof, gegenüber der Galeria Kaufhof) einen Lifestyle-Store. Bis zum 21. November können alle, vom Einsteiger bis zum Profi Digital Nerd, hier die digitale Welt der Zukunft erleben.

Mal eben von unterwegs per Tablet das Wohnzimmer vorwärmen, die Pflanzen bewässern und dem Nachwuchs neue Lernaufgaben übermitteln: Der Umgang mit digitalen Medien, der „Digital Lifestyle“, ist in den letzten Jahren in allen Generationen immer selbstverständlicher geworden. Das greift die #digitalrepublic auf: Die Palette reicht von 3D Food-Druckern über Smart-Home-Lösungen bis hin zu total abgefahrenen Gadgets. In chilliger Lounge-Atmosphäre gibt es spezielle Gamer-Ecken mit Virtual-Reality-Headsets und einen Drohnenparcours, auf dem sich die Flugobjekte per Smartphone steuern lassen. Und das Beste: Es geht in der #digitalrepublic allein ums Ausprobieren und Spaß. Käuflich erwerben kann man vor Ort nichts.

Copyright Richard Ohme - Danke!

Copyright Richard Ohme – Danke!

Ein Höhepunkt der #digitalrepublic in Leipzig wird der Start-up Contest „the Ramp“ sein. Jungunternehmer können hier mit ihrem Konzept ein Preisgeld von insgesamt  10.000 € abräumen. Der Gewinner wird in mehreren Battles durch den Beifall des Publikums gekürt. Zum Gewinn gibt’s zusätzlich ein Sack voll nützlicher Kontakte. Termine: 7.11., 12.11., 14.11. und 19.11. Das Finale steigt am 21.11. Die Ideen der Leipziger Kombattanten können vorab auf www.digitalrepublic.de nachgelesen werden.

app1Zur Eröffnung verlose ich einmal eine Sengled Pulse Solo, die weltweit erste Kombination aus LED-Licht und Multikanal-Stereo-Sound (Wert 60 Euro). Damit kannst du ohne Zusatzsoftware per Bluetooth Musik streamen und über eine kostenlose App stufenlos Licht und Lautstärke regeln.  Nicht nur für Digital Nerds ein absolutes Highlight!

Hinterlasse einfach unter diesem Beitrag einen Kommentar und sag mir bis zum Sonntag, 8. November 2015, 18 Uhr: Was ist dein Lieblingsgadget im Digital Lifestyle?

Viel Erfolg – wir sehen uns im Store der #digitalrepublic! Geöffnet ist Montag bis Samstag jeweils von 12:00 bis 20:00 Uhr.

[Danke an #digitalrepublic für den Verlosungsgewinn. Notwendiger Hinweis: Der Rechtsweg ist ausgeschlossen]

www.digitalrepublic.de

Wohlfühlort Südvorstadt: Fotograf Robert Strehler belebt die Alte Fleischerei

Quelle: http://portfolio.fotocommunity.de/strehler/photo/31402272„Ich mag Fotos und ich mach auch gerne welche“. Punkt. So schnörkellos beschreibt Robert Strehler seine Leidenschaft. Schuld ist die Liebe, nein, genauer gesagt, die Stadt der Liebe. Vor fünfzehn Jahren spendierte Großvater Strehler dem Enkel eine analoge Kamera mit sieben Filmen für eine Exkursion nach Frankreich. Der entdeckte den Reiz der Bilder, verpulverte sein Ferientaschengeld für weitere 15 Filme und schaffte sich bald aus Kostengründen die erste digitale Kamera an, „so einen Alukasten, eine Canon PowerShot S30“. 2003 stand dann das erste Foto im Netz, ein Zufallsschuss vom Balaton, als ein Volleyball die Sonne verdunkelte. Erst vor drei Jahren stupste eine Freundin Robert Strehler an, er solle doch mehr aus seinem Auge für Situationen und Motive machen. So wandelten sich Stillleben und Landschaften zu einer intensiven Beschäftigung mit Menschen, aus dem Eventmanager wurde der Fotograf.

Robert Strehler bei der Arbeit. Foto: Detlef M. Plaisier

Beim Shooting. Foto: Detlef M. Plaisier

„Ich bin in allem, was ich tue, ein Bauchmensch.“ Robert Strehler arbeitet mit Canon EOS 5D Mark III, Ihagee EXA 1C (mit Lichtschachtsucher) und Canon EOS 60D, bevorzugt mit Festbrennweiten, und ist überzeugter Mac-User. In Buchantiquariaten sollte man ihn nicht lange allein lassen. Bei Close up-Portraits und Hochzeitsfotografie stehen für den (jetzt) Profifotografen nicht die Technikwerte im Vordergrund , sondern das Gefühl bestimmt das Bild – was nicht ausschließt, dass Ergebnisse am Rechner nachbearbeitet werden. „Wir müssen uns beide öffnen. Wenn ich meine Ausstrahlung auf die Menschen projiziere, entstehen ehrliche Fotos.“ Was sich jüngst wieder bewies, als Robert Strehler eine Charity Fotoaktion ins Leben rief und der unerwartete Erfolg fast sein Studio lahmlegte. Und schon reden wir über die nächste Leidenschaft: Leipzig.

Blick an die Decke der Alten Fleischerei. Foto: Detlef M. Plaisier

Blick an die Decke der Alten Fleischerei. Foto: Detlef M. Plaisier

Was ich in Europa und der Welt mag, gibt’s in Leipzig.“ Vor dem Bahnhof, Karli oder Karl-Heine-Boulevard? Energie wie in New York. Dresden? Sorry. Kleinstadt. „Man hat in Leipzig nie das Gefühl, allein zu sein.“ Seit wenigen Tagen hat sich Robert Strehler in der Kurt-Eisner-Straße 17 den Wunsch nach einem Wohlfühlort erfüllt. Zusammen mit der Schmuckdesignerin Alexandra Pauly (Alternativberuf nach meinem Besuch: Muffinbäckerin) verleiht der Fotograf den Räumen der Alten Fleischerei neues Leben. Nach drei Generationen Fleischertradition ab 1906 brachte die Wende das Aus, eine spätere Zwischennutzung scheiterte. Original erhaltene Fliesen und Deckenmalerei im Gründerzeithaus von 1898 – das ist  „arbeitsam, inspirativ, mit Zeit zum Philosophieren. Der Raum bündelt alles, was Leipzig schön macht. Und er passt zu mir.“

Alex und Robert wissen: Es ist ein Experiment. Zwei Kreative auf 20 Quadratmeter Fläche – da kann es schon mal knallen. Aber die Zeichen stehen gut. „Bezaubernd“ sei seine Partnerin, sagt der Hutmann mit Kamera. Genau wie seine Freundin. Und freut sich auf den nächsten Tag.

www.robertstrehler.de
unterwegs-gesehen.de
www.facebook.com/kurteisnerstrasse17
Quelle Portrait Robert Strehler: http://portfolio.fotocommunity.de/strehler/photo/31402272

Essen ist mehr als satt werden: Lachen und Lernen im Leipziger Kinder Erlebnis Restaurant

Kinder müssen spielen. Kinder brauchen Liebe. Viel Liebe. Und Kinder müssen essen. Aber das ist doch selbstverständlich. Nein, ist es nicht, und schon gar nicht, wenn es um gesundes Essen in einer intakten Familie geht. Das Team im Leipziger Kinder-Erlebnis-Restaurant rund um Initiatorin Karin Fahnert hat sich ein großes Ziel gesetzt: Die Ess-Kultur in Familien mit Kindern soll positiv verändert werden, und das ganz unabhängig von den wirtschaftlichen Verhältnissen.

Kinder Erlebnis RestaurantTräger des Kinderrestaurants ist der Verein „Leipziger Kinder- und Familienförderung e.V.“ Er entstand 2006 aus Personen, die in der Leipziger Tafel aktiv waren, und zog 2007 vom Leipziger Westen in den Osten um. Der Verein kaufte günstig drei Wohnhäuser und richtete in zwei Häusern Wohnprojekte ein, die auch heute noch laufen. „Hier wohnen auf freiwilliger Basis Familien, die in verschiedener Hinsicht benachteiligt sind“, erläutert Karin Fahnert. „Wir betreuen dort nicht im klassischen Sinn, sondern bieten Möglichkeiten zur Teilhabe. Wer mitmachen kann und etwas gibt, der nimmt auch mit einer anderen Würde.“

Vielleicht das bunteste Haus in Leipzig. Foto: Detlef M. Plaisier

Vielleicht das bunteste Haus in Leipzig. Foto: Detlef M. Plaisier

Schon bei der „Tafel“ hatte Karin Fahnert eine „erschreckende Inkompetenz in Ernährungsfragen“ bei vielen Besuchern festgestellt. „Gemeinsames Essen als Mittelpunkt der Familie wird immer seltener, und das zieht sich inzwischen quer durch die Gesellschaft.“ Die Idee, Kindern und Jugendlichen Genuss und gleichzeitig Verantwortung für Körper und Gesundheit „schmackhaft zu machen“, wurde 2012 dann in dem dritten der gekauften Häuser in der Eisenbahnstraße 130 umgesetzt. Der bunt bemalten Fassade, gestaltet durch den Plakatmaler und Ehemann Frank Fahnert, sieht man den hohen Sanierungsbedarf heute nicht mehr an.

Das Konzept, unter anderem gestützt aus Fördermitteln des Programms „Soziale Stadt“, traf den Nerv: Schon nach dem ersten Jahr des Bestehens konnte Karin Fahnert stellvertretend den Familienfreundlichkeitspreis der Stadt Leipzig entgegennehmen. Nur ein halbes Jahr musste das Team um Karin Fahnert selbst um Gäste werben, seitdem laufen die Anfragen von selbst und übersteigen oft die Kapazität. Das Konzept des Wohnprojektes greift auch hier: Die zwei Mitarbeiterinnen wohnen in den beiden Häusern des Vereins. Karin Fahnert: „Wir wollen keine Kochprofis, sondern Erlebnispädagogik mit allen Sinnen und Teilhabe auch hier.“

Aktuell werden bis zu 40 Veranstaltungen im Monat durchgeführt. Neben Erlebniskochen für Kinder und Jugendliche aus Kitas, Schulen und Horten stehen Kindergeburtstage und öffentliche Veranstaltungen auf dem Programm. Die Teilnehmer reisen dafür bis aus Thüringen an. Maximal 40 Personen können gleichzeitig in der Küche stehen. Weil es täglich oft zwei Veranstaltungen gibt, wird auch täglich eingekauft „wie bei einer Hausfrau“; Vorratshaltung gibt es kaum. Als Geheimtipp hat sich die Übernachtungsmöglichkeit im Hause herumgesprochen: In einem XXL-Bett können bis zu 15 Kinder und Jugendliche über Nacht bleiben.

Karin Fahnert ist mit sechs Stunden täglich im Projekt angestellt. Daraus werden regelmäßig 60 Wochenstunden. Was sie immer wieder motiviert? Die Antwort ist entwaffnend einfach: „Es ist eine so dankbare Aufgabe, über die Kinder Impulse in die Familien zu tragen.“

Für Dezember sind als Themen „Plätzchen backen im Advent“ und ein festliches Adventsmenü vorgesehen. Wer reservieren möchte, klickt direkt auf die Seite des Kinderrestaurants.

Alle folgenden Fotos (6): Andreas Bernatschek – Danke!

Beitrag und Fotostrecke: Tag des Offenen Ateliers – Besuch bei Christoph Hundhammer im Blockstellwerk Elsteraue

Im dreizehnten Jahr luden Leipziger Kunstschaffende zu einem Blick in ihre Ateliers ein. Mehr als 70 Orte waren geöffnet. Ich besuchte Christoph Hundhammer an einem der ungewöhnlichsten Plätze: Er arbeitet im ehemaligen Blockstellwerk Elsteraue, idyllisch gelegen hinterm Deich zwischen Weißer Elster und Luppe.

Tag des Offenen Ateliers 19 Okt 2014 Hundhammer Stellwerk. Foto Detlef M. Plaisier (51)

Entspannung im Atelier. Foto: Detlef M. Plaisier

Wir haben den wohl letzten schönen Tag des Altweibersommers erwischt, trinken Tee mit frischer Pfefferminze aus dem Naturgarten. Christoph Hundhammer hat das ehemalige Blockstellwerk Elsteraue mit Grundstück vor einem Jahr gekauft. Es wurde 1905 als Industriebau mit Betondecken auf einer Aufschüttung gebaut, wäre also im unwahrscheinlichen Fall eines Hochwassers vor Flutschäden sicher. Zehn Jahre stand das Gebäude leer, fand keinen Interessenten. „Ich habe sogar Aufzeichnungen von der letzten Schicht der Bahnwärter gefunden“, erzählt der Künstler, „noch mit Notfallnummern für den Fall einer Havarie.“ Ich ermutige ihn, diese Zeitdokumente nicht zu vernichten.

Nach dem Erwerb gab es einiges zu tun. Christoph Hundhammer griff selber zur Maurerkelle, ließ auch neue Fenster einbauen. Aktuell werden die Mäuse in einer Holzdecke bekämpft. Die vier Räume des Häuschens haben alle eigene Zugänge. Das ursprünglich geplante Atelier im oberen ehemaligen Bahnwärterbereich hat sich zu einer großen Küche mit Holzofen und Klavier entwickelt. „Hier kommt niemand angelaufen, wenn ich mal am Wochenende spiele“, sagt Christoph Hundhammer und gibt eine kurze Kostprobe. Dennoch bleibt das Stellwerk nur Atelier, kein Wohnraum. „Darüber kann ich nachdenken, sollte mich meine Familie mal verlassen“, schmunzelt Christoph Hundhammer.

Überhaupt sei die Lage an der noch aktiven Bahnstrecke ideal: „Den ICE haben sie gut hingekriegt, den hört man kaum, aber die zweistöckigen Züge scheppern ganz schön“, und das Nordlicht ohne Schlagschatten begünstige die Arbeit. „Dann sitze ich im Winter hier oben bei der Ofenwärme an meinen Holzschnitten, und bei den ersten Frühlingsstrahlen zieht es mich nach draußen.“

Kreatives Hexenhäuschen. Foto Detlef M. Plaisier

Kreatives Hexenhäuschen. Foto Detlef M. Plaisier

Draußen – das ist ein Stück gepachteter Garten mit kleinem Häuschen hinter dem Blockstellwerk, in dem Skulpturen von Christoph Hundhammer und von Teilnehmern an offenen Werkstätten stehen. Sie fügen sich wie selbstverständlich in das wuchernde Grün ein. In Colditz, Naumburg und hinter dem Gartenhaus des Heinrich-Budde-Hauses in Gohlis hat Christoph Hundhammer Skulpturengärten mitgestaltet. Er arbeitet mit Modellen, Männern wie Frauen. Zunächst entsteht eine Zeichnung, aus der sich dann eine Situation oder Position ergibt, die Christoph Hundhammer in Holz umsetzen möchte. Immer neu stellt sich die Frage, inwieweit dabei die Persönlichkeit des Modells berührt wird:“ Manchmal bilde ich die nur die große Form ab, manchmal geht es in kleine Details.“ Dass Christoph Hundhammer auch die filigranen Formen beherrscht, zeigt er mir im Gartenhäuschen an einem Kerzenengel aus Pappmaché.

Im Winter werde ich mit einer Flasche Rotwein zu einem Plausch am Ofen im Blockstellwerk wiederkommen. Dann lasse ich mich von Google Maps nicht noch einmal in die Irre führen.

Alle Fotos: Detlef M. Plaisier. Download und Kommentare sind ausdrücklich erwünscht!

Zu Besuch bei Norbert Schaal: Hier lässt der Herr von Welt Maß nehmen

Als ich Norbert Schaal im Poniatowski treffe, trägt er legere Freizeitkleidung. Gut abgestimmt, befinde ich. Norbert Schaal nennt es Stil – und er redet gerne darüber.

norbert-schaal

Er ist das Maß: Norbert Schaal

Auf der Visitenkarte von Norbert Schaal steht „Maßkonfektionär“. Ich ahne, das hat etwas mit Schneidern zu tun. Nah dran. Norbert Schaal erklärt es mir: „Das ist keine geschützte Berufsbezeichnung und auch kein Beruf, der in der Handwerksrolle eingetragen werden kann. Ein Maßkonfektionär verkürzt ganz einfach die Zeit und minimiert die Kosten im Vergleich zum Maßschneider.“ Der müsse sich in mehreren Sitzungen förmlich herantasten, während der Maßkonfektionär an einem Musterteil einmalig Maß nimmt und eine Schablone darüberlegt. Nadelkissen und Abstecken gibt es natürlich auch beim Konfektionär.

Klingt kompliziert? Ist es nicht. Das Geheimnis heißt ganz einfach Wohlfühlen, „und das spürt man schon beim ersten Reinschlüpfen“, weiß Norbert Schaal. Entscheidend sei dabei die Passform im Brust-Schulterbereich. „Oft ist das Armloch zu klein, und die Schulterposition ist nicht richtig angepasst.“ Nachdem der Schnitt fixiert wurde, geht es an die Auswahl der Details. Bei unsicheren Kunden helfen Musterbücher und Fotobände. Bis zu 6.000 Stoffvarianten können nachgefragt werden, dazu kommen fast unendliche Kombinationsmöglichkeiten von Kragenfilz, Knopfvarianten und Futterstoff.

Dann heißt es für den Kunden, sich in Geduld zu üben. Produziert wird ausschließlich per Hand in Saarbrücken bei der Firma Scabal, die in drei Ländern eigene Webereien mit hohem Anspruch an die Rohware betreibt. Norbert Schaal schätzt deren „innovativen Geist und zugleich klassisch englisches Erscheinungsbild“. Nach drei bis vier Wochen kann der Kunde sein individuelles Kleidungsstück dann in der Kreuzstraße abholen. Sollten Korrekturen notwendig sein, wird dies zeitnah in einer Schneiderstube vor Ort erledigt. Selbst Hand anlegen darf Norbert Schaal nicht. Das verbietet die Handwerksordnung.

Blick in das Wohnzimmer von de Scale

Blick in das Wohnzimmer von de Scale

Modebewusste Leipziger kennen Norbert Schaal aus früheren Tätigkeiten im Modehaus Fischer und bei Breuninger. Bei de Scale versorgt er nun eigenbestimmt seine Kunden mit allem, was man als Herrenoutfit anfertigen kann, von Hemd über Sakko, Hose, Anzug und Weste bis zu Mantel, Gehrock und Frack. Viel gefragt ist die klassische Businessgarderobe, aber auch die Erstausstattung für junge Leute. Dazu gibt es ETON Hemden in drei Linien und als Gimmick Socken der Marke Jungfeld bis Schuhgröße 50, die in Chemnitz gefertigt werden. Promis? Ja, gibt es auch. Diskretion ist Ehrensache.

Norbert Schaal nimmt nicht nur Maß. Er hat eine Mission, und die formuliert er unmissverständlich: „Leipzig kann mehr Stil vertragen.“ Soll heißen: Mode trifft in Leipzig meist eineinhalb Jahre später ein als der aktuelle Trend. Der Maßkonfektionär aus Berufung wünscht sich in der Messestadt mehr Stilbewusstsein und ein Gefühl für wertbeständige Kleidung. Stil? „Ist eben nicht eine Frage des Geldes“, ist Norbert Schaal sicher. „Jeder hat Stil. Der persönliche Stil ist eine Frage des Wohlfühlens. Aber Stil ist auch anlassbedingt.“ Und da ist Norbert Schaal ganz strikt: „Wenn ein Student sich ein Konzert im Gewandhaus gönnt, erwarte ich auch, dass er dem Anlass entsprechend gekleidet ist. Das ist allein schon eine Frage des Respektes gegenüber dem Künstler.“ Für unvorhergesehene Anlässe bietet Norbert Schaal einen Verleih für Abendgarderobe an. Dieser Geschäftszweig soll in einigen Jahren bundesweit agieren.

Wer seinen Stil finden oder stilgerichtet seine Ausstattung ergänzen möchte, kann Norbert Schaal als Personal Shopper buchen. Losgelöst von Händlerverpflichtungen, werden die Kundenwünsche abgearbeitet. Der Vorteil: „Der Kunde merkt, dass ich auf seiner Seite stehe und mein Netzwerk für ihn einsetze.“ Das geht in Leipzig, Frankfurt und Berlin und auf Wunsch auch überall in der Republik. Bei Abrechnung nach Stundensatz ist alles möglich: Champus und Chauffeur, Hermès und H&M.

Perspektivisch will Norbert Schaal noch in anderen Städten de Scale-Wohnzimmer einrichten. Erster Focus ist Berlin. Mitbewerber schrecken ihn nicht: „Ich traue mir zu, mich in jeder Stadt am Markt zu positionieren.“

Genau das prägt de Scale: Stil, gepaart mit Selbstbewusstsein.

de Scale Maßkonfektion Norbert Schaal
04103 Leipzig, Kreuzstr. 19
de-scale.com

Fotonachweis (2): de Scale / Norbert Schaal

Zu Besuch bei Christin Bader: Haare schön in der Kreuzstraße

„Ich hätte heute ein halbes Stündchen Zeit. Lust auf eine Runde Sonne auf meiner Fensterbank vorm Laden ?“ Klar. Den Weg kenne ich. Liegt ja nur wenige Schritte neben meinem zweiten Wohnzimmer, dem Poniatowski.

Blick in den Salon. Foto: Kristin Bader

Blick in den Salon. Foto: Cristin Bader

Die Einladung kommt von Christin Bader. Sie hat gestern in der Kreuzstraße 13 ihren Friseursalon eröffnet. Salon? Das Klischeebild dazu passt nicht. Es ist eher ein top saniertes Wohnzimmer mit Chic und Gemütlichkeit, mit Parkett, vielen bunten Kissen, zwei Behandlungsstühlen und viel Platz. Die Jungunternehmerin (ja, man darf es sagen: Sie ist gerade 30 geworden) sprüht vor Energie, wenn sie begeistert von ihrem Beruf und ihrer Stadt Leipzig erzählt. Es gibt keine Zufälle im Leben: Friseuse (ja, das darf man auch sagen) und Kreuzstraße – das war irgendwie vorbestimmt. Der kleinen Christin mussten die Tanten im Wohnzimmer Modell sitzen zum Haare bürsten und Lippenstift auftragen.

Mit 15 brach sich die Berufung dann Bahn mit einer Friseurlehre bei Rathgeber-Stengl – ganz ohne Bewerbung: „Da stand meine Mutter auf der Matte, und sonst habe ich mich immer gleich persönlich vorgestellt.“ Die Ausbildung bei Rathgeber-Stengl „war eine harte Zeit“, erinnert sich Christin Bader, aber positiv prägend für das weitere Berufsleben. In jungen Jahren zieht die Karawane weiter: Mit Anfang 20 begeisterte sich Christin Bader für Gala, Glamour und Glitzer. Auch dafür gibt es Leipzig einen Platz: Ein kurzes Probeschneiden (wieder ohne Bewerbung), und Christin Bader konnte ihr Können die kommenden vier Jahre bei Hair by Hentschel zeigen. Ein kleiner Traum wurde wahr mit Fotoshootings, Modenschauen und Begleitung des Artistic Creative Directors Sven Hentschel zum German Hairdressing Award. „Da bin ich richtig gewachsen“, meint Christin Bader heute, „fachlich und als Persönlichkeit. Und ich habe viel über die Kundenpsyche gelernt.“

Foto: Oliver Schlicke

Foto: Oliver Schlicke

Als der Salonleiter von Hentschel sich selbständig machte, nahm er Christin Bader mit. Sie legte die Ausbildereignungsprüfung ab, übernahm die Lehrlingsausbildung im Salon und war mit 28 oben angelangt. Ganz oben. Wer mit 50 nicht mehr am Stuhl stehen möchte, hat nur eine Wahl: Ab auf die Meisterschule. So hielt Christin Bader drei Tage nach ihrem 29. Geburtstag den Meisterbrief in der Hand – und jetzt, ein Jahr später, schließt sie die Tür zum eigenen Frisierstübchen auf. Noch alleine, doch ein Azubi steht auf dem Plan der nächsten fünf Jahre ebenso wie ein zweites Standbein als Seminartrainerin.

Angesagt sind in der Kreuzstraße solides Handwerk, Kreativität und Beratung. Besonders gerne mag Christin Bader Hellerfärbungen und Blondierungen, außerdem Flecht- und Steckfrisuren und alles rund um Festlichkeiten, und das auch gerne verrückt und schrill. Hochglanzbücher mit Beispielfrisuren gibt es im Geschäft nicht, dafür Tee mit frischer Minze, manchmal selbst gebackene Kekse und immer ein Lachen. Glanz und Glamour faszinieren Christin Bader immer noch, wenn auch nur als Zuschauerin. Ach, einmal auf die Berlinale …. Und Männer: Kommet zuhauf für einen neuen Look! Her smile will make your day…

Herzlich willkommen in der Kreuzstraße. Wir wünschen viel Erfolg!

Friseur Christin Bader
04103 Leipzig, Kreuzstr. 13 (Graphisches Viertel)
Öffnungszeiten: Di 9-18, Mi 12-20, Do 9-18, Fr 12-20, Mo und Sa nach Vereinbarung
http://christin-bader.de/